Daniela Scheurer

gemeinsam.spielend.wachsen.

Wie Alexander Salamander zu seinem Namen, einem Boot und einem Keks kam

„Kannst du noch mein Schnitzmesser einpacken?“ fragte Emil seinen Papa, der gerade dabei war, die Äpfel in den Rucksack zu legen. „Und Papa, du weißt schon, dass wir auch Kekse für unseren Ausflug brauchen, oder?“ „Kekse?“ fragte Papa.

„Ja, denn ohne Kekse kann ich nämlich nicht so lange Rad fahren. Und stell dir vor, wir müssten einfach umdrehen, weil ich vor lauter Hunger vom Rad falle!“ antwortete Emil.

„Also gut, dann auch Kekse“ sagte Papa und schmunzelte ein wenig.

Papa packte also 2 Äpfel, eine kleine Packung Butterkekse und das Schnitzmesser in den Rucksack. „Noch etwas?“ fragte er Emil, doch dieser schüttelte den Kopf und meinte: „Nein, ich glaube, wir können jetzt los.“

Es war Sonntag. Und Mama sagt immer, dass Sonntage für Ausflüge da waren. Aber Mama war sehr beschäftigt mit der kleinen Lina, die ständig gefüttert werden wollte. „Lange Ausflüge sind für Lina noch zu anstrengend,“ sagte Mama.

Und deshalb machten sich Papa und Emil heute alleine auf den Weg in den Wald mit den Fahrrädern. Das Wetter war wunderbar sonnig, aber nicht zu heiß. Emil freute sich schon die ganze Woche auf diesen Tag. Er liebte Ausflüge mit seinem Papa. Seine kleine Schwester Lina blieb bei Mama und er hatte seinen Papa ganz für sich alleine.

Die beiden holten die Räder aus der Garage und machten sich auf den Weg. Sie fuhren die Feldstraße entlang und bogen dann in den Waldweg ein. Der Weg war ein wenig anstrengend. Immer wieder ging es auf und ab. Emil machte das nichts aus, er war ein schneller Fahrradfahrer. Aber Papa ging immer wieder die Puste aus und dann rief er: „Emil, nicht so schnell, warte doch auf mich!“

Emil wartete immer auf seinen Papa. Denn immerhin wollte er ja nicht alleine Rad fahren, sondern gemeinsam mit ihm. Und als er wieder einmal auf seinen Papa wartete, fiel Emil ein, dass ganz schön durstig war. „Papa, ich hab´ Durst!“ „Ojeh, ich fürchte, wir haben kein Wasser eingepackt!“ antwortete Papa. Sicherheitshalber durchsuchter er dennoch den Rucksack. „Nein, definitiv kein Wasser.“

„Und was machen wir jetzt?“ fragte Emil.

„Sollen wir umdrehen und nach Hause radeln?“ fragte Papa Emil.

„Nein.“

„Magst du einen Apfel essen gegen den Durst?“ fragte Papa Emil.

„Nein.“

„Dann müssen wir eben Wasser suchen. Ich bin sicher, es gibt da hinten einen kleinen Bach, dort können wir hinradeln.“ „Gute Idee!“ rief Emil, setzte sich wieder auf sein Fahrrad und trat in die Pedale.

Tatsächlich fanden sie nach einigen Minuten einen kleinen Bachlauf unter dem Waldweg. Sie stellten die Räder auf dem Weg ab und stiegen die steile Böschung zum Wasser hinab.

Unten angekommen, formte Emil seine Hände zu einer kleinen Schüssel und fing damit das Wasser ein, um es zu trinken. „Ah, lecker, aber urkalt!“ rief Emil Papa zu. Papa setzte sich auf einen umgeschnittenen Baumstamm und nahm einen Apfel aus dem Rucksack. „Jetzt will ich auch einen Apfel“, sagte Emil und biss gleich herzhaft hinein. Mit dem Apfel in der Hand ging er den Bach entlang.

Im Wasser lagen viele Steine, große, kleine, runde und eckige. An manchen Stellen war das Wasser ein bisschen tiefer und weiter drüben war sogar ein kleiner Wasserfall. Dort ging Emil hin und sah sich die Steine ganz genau an. Riesengroße Steine bildeten das Ufer. Sie lagen übereinander und manche waren mit Moos bewachsen.

Emil zog seine Schuhe aus, dann die Socken, krempelte sich die Hosenbeine hoch und stieg ins Wasser. Ah, wie kalt das war! Erst war es so kalt, dass er am liebsten schreien wollte, aber dann, nach kurzer Zeit schon, gewöhnte er sich an die Kälte und watete weiter durch den Bach.

Feuersalamander unter einem Stein am Bach

Und hier, ganz plötzlich, sah er, dass sich etwas zwischen den Steinen bewegte. Er blieb stehen und rührte sich nicht. Und jetzt konnte er ihn sehen! Ein Feuersalamander spazierte zwischen den Steinen am Ufer des Wassers entlang. Er war schwarz und hatte kleine gelbe Flecken auf seinem Körper. Und klein war er. Ganz langsam bewegte er sich. Ein Schritt nach dem anderen.

„Papa!“ rief Emil. „Schau mal, ein Salamander!“ Schnell wie der Blitz war Papa bei ihm, aber er konnte den Salamander nicht sehen. „Wo?“ fragte Papa.

„Na da, zwischen den Steinen!“

Langsam, ganz langsam bewegte sich der Salamander und verschwand schließlich unter einem großen Stein, sodass ihn Emil nicht mehr sehen konnte.

Er setzte sich ans Ufer auf einen Stein, aß seinen Apfel und wartete, bis der Salamander wieder herauskam. Aber der kam nicht wieder. Und Emil konnte ihn auch gar nicht mehr sehen. Was wohl da unter den Steinen war?

Waren da seine Salamanderfreunde und seine Salamanderfamilie?

„Ich werde ihn Alexander nennen. Alexander reimt sich auf Salamander. Das gefällt mir.“

Emil holte sein Schnitzmesser aus dem Rucksack und begann damit, einem Stock die Rinde ab zu schnitzen. Währenddessen saß Papa auf seinem Baumstamm und sah dem Wasser beim Fließen zu.

„Ich könnte Ewigkeiten dem Wasser beim Fließen zusehen.“ meinte Papa.

„Ja, das ist schön.“ antwortete Emil und schnitzte weiter.

Als er die Rinde von dem kleinen Stock geschnitzt hatte, entdeckte er ein größeres Stück Holz. In dieses Stück bohrte er mit seinem Messer ein kleines Loch, gerade so groß, dass der Stock hineinpasste. Er steckte den Stock in das Holz, legte es ins Wasser, gab ihm einen kleinen Schubs und flüsterte: „Das ist für dich, Alexander Salamander, falls du mal ein Boot brauchst.“

Emils Boot strandete am Ufer auf einem kleinen Stein.

„Kann ich jetzt die Kekse essen, Papa?“ Emil ging zu seinem Papa und setzte sich neben ihn. Da saßen sie, aßen Kekse und schauten gemeinsam ins Wasser. „Schön ist das. Gemeinsam mit dir hier zu sitzen und ins Wasser zu schauen“, sagte Papa.

„Ja, schön ist das“, meinte Emil. „Ich wünsche mir, dass Alexander noch einmal hervorkommt.“

„Ja, das wäre auch schön“, antwortete Papa.

Emil schnappte seine Kekse und watete noch einmal durchs kalte Wasser. Er brach seinen Keks entzwei und legte das größere Stück auf sein Boot. „Das ist für dich, Alexander Salamander, falls du mal einen Keks brauchst. Damit du nicht vor Hunger aus dem Boot fällst“, flüsterte er.

Dann hockte er sich wieder in die Nähe des Steins, unter dem er den Feuersalamander zum letzten Mal gesehen hatte.

Und nur einen klitzekleinen Moment später, kam der Feuersalamander wieder aus seinem Versteck hervor. Langsam, ganz langsam bewegte er sich vorwärts. Er kroch über die Steine und wanderte dorthin, wo Emils Boot lag.

Und jetzt stell dir vor, was Alexander gemacht hat! Er kroch ganz langsam auf das Boot, legte sich auf den Keks, sah Emil an und flüsterte: „Danke!“

Emils Augen wurden riesengroß, er wusste nicht, ob er träumte oder nicht. Hat sich gerade ein Feuersalamander bei ihm bedankt?

Alexander Salamander begann, ein wenig mit seinen Füßen zu paddeln und das Boot in die Mitte des Baches zu lenken. Dort zog ihn die Strömung mit, er flitzte mit seinem Boot den kleinen Wasserfall hinab und fuhr davon.

Und Emil? Der konnte es immer noch nicht glauben. Er lief zu seinem Papa und erzählte ihm sehr aufgeregt, dass gerade ein Feuersalamander mit seinem Boot davongefahren ist. „Und weißt du was, Papa? Er hat zu mir Danke gesagt! Stell dir vor, er hat sich bei mir bedankt für das Boot und den Keks!“

„Ach ja? Ich wusste schon immer, dass Salamander sehr nette Wesen sind. Vielleicht ein bisschen schüchtern, aber höflich.“

Das war die Geschichte, wie der Feuersalamander Alexander zu seinem Namen, einem Boot und einem Keks kam. Du willst wissen, wo Alexander hingefahren ist? Na, er hat eine Waldreise gemacht, denn davon hat er immer schon geträumt. Er hat unzählige wunderbare Plätze gesehen und viele andere Wesen kennengelernt. Und weißt du, was er noch gemacht hat? Auf seiner Reise hat er erfahren, dass alle Boote und Schiffe einen Namen haben sollten. Also hat er seinem Boot auch einen Namen gegeben: Emil

15 Jun, 2021

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