Daniela Scheurer

gemeinsam. spielend. wachsen.

Geschichten für Kinder frei erzählen

„Wie heißt heute die Schlussgeschichte?“ – diese Frage stellen die Kinder täglich dem zuständigen Begleiter.

Jeden Tag wird bei uns im Storchennest eine Geschichte frei erzählt. Eine Geschichte, die ich schon mal gelesen habe, oder die ich mir vorab ausgedacht habe. Oder eine, die im Moment des Erzählens entsteht. Das sind meine Lieblingsgeschichten. Auch heute hab ich mir keine spezielle Geschichte ausgedacht, also frage ich die Kinder, wie sie heißen soll.

„Na ich weiß das nicht, das musst schon du wissen!“ bekomme ich als Antwort von einem Sechsjährigen. Da frage ich meine Kollegin, ob sie vielleicht weiß, wie denn heute die Geschichte heißt. Aber auch sie weiß es nicht. Die Mama, die gerade die Jause richtet, hat auch keine Ahnung.

2 Stunden später wieder die gleiche Frage, diesmal von einem Dreiergespann. „Hmm, ich glaube, heute müsst ihr mir helfen. Ich weiß immer noch nicht, wie sie heißen soll…“ – „Das Monsterkaka!“ ruft da eine Mäuschenstimme im Hintergrund. „Aha, Monsterkaka also. Eine Kaka Geschichte mag ich heute nicht erzählen…“ – „Das Nudelkaka!“ sagt die Stimme neben dem Mäuschen. „Hmm, ich könnte die Geschichte vom Nudelmonster erzählen!“ – „JAAAAAAA!“

Gute-Nacht-Geschichten, Schlussgeschichten, Zwischendurchgeschichten,…zum Kuscheln und Entspannen, als Ritual, als Beziehungsangebot – eine Möglichkeit, deine Zeit mit deinem Kind sinnvoll zu verbringen. Wie du eine Geschichte einfach so aus dem Ärmel schüttelst? – Schritt für Schritt 🙂

Meine Geschichten zum Vorlesen findest du hier!

Ideensammlung für deine Geschichte

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Geschichten frei zu erzählen oder welche selbst zu erfinden. Das ist der Weg, den ich selbst gegangen bin. Vom Erzählen, was ich sehe, bis zum Erzählen einer Geschichte, von der ich nur den Titel kenne!

1) Geschichten mit Wimmelbüchern erzählen

Kennst du die Wimmelbücher von Rotraud Susanne Berner? Jedes Buch erzählt eine Geschichte von verschiedenen Menschen in Wimmlingen. Mit diesen Büchern ist es ganz einfach, die Geschichten, die man sehen kann, zu erzählen. Beschreibe die Bilder, die du siehst, erfinde vielleicht Gerüche dazu, oder versuche, Vermutungen anzustellen. Wohin will dieser Fahrgast fahren? Was macht Niko, wenn er wieder mal abhaut? Nehmt euch doch einfach ein Buch zur Hand, betrachtet gemeinsam die Bilder, mal schauen, was passiert. Die Wimmelbücher gibt es für alle Jahreszeiten und auch ein Nachtwimmelbuch!

Wimmelbücher eignen sich besonders gut zum Geschichten erzählen.

2) Gegenstände und Symbole für deine Geschichte

Das Spiel „Erzähl mir was…“ von Haba haben wir oft mit unseren Kindern gespielt. Auf dem Tisch liegen verschiedene Kärtchen aus. Einer beginnt, eine Geschichte zu erzählen und verwendet irgendwann ein Wort, das auf einem Kärtchen vorkommt. Der Mitspieler, der das Symbolkärtchen als erster findet, erzählt weiter. Daraus sind meist Geschichten entstanden, die kaum einen roten Faden hatten. Den Kindern hat´s trotzdem immer gefallen!

Spiel „Erzähl mir was…“ von Haba

Genauso gut kannst du Bilder aus alten Büchern, Zeitschriften oder Katalogen ausschneiden und dir und deinen Zuhörern als Auswahl zur Verfügung stellen. Wieviele Bilder du verwenden sollst? Hmm, am besten, du probierst es aus. Hast du mit dem Apfel, der Unterhose und dem Wolf genug? Oder würde es dir helfen, noch einen Baum, eine Eule und einen Schneemann dabeizuhaben?

Eine andere schöne Möglichkeit sind alltägliche Gegenstände, die in einer Geschichte vorkommen. Geht doch mal das Inventar des Kinderzimmers oder der Küche durch und sucht euch 5 Gegenstände, die in der Geschichte mitspielen dürfen. Da könnte der Löffel mit Hilfe des Flugzeugs eine Reise antreten oder der Teddy wird von der vergesslichen Omama im Kühlschrank vergessen, wo ihm die Gurken ein Theater vorspielen, die Karotten hingegen ihn aber zur Weißglut treiben, weil…

Mit meinen kostenlosen Geschichtenwürfel gelingt die nächste Geschichte ganz leicht: Einfach würfeln oder würfeln lassen und schon kann es losgehen. Es gibt 5 Würfel zur Auswahl, von denen du natürlich auch weniger verwenden kannst.

Eine schöne Idee sind auch die Geschichtensteine: sammle schöne Steine und male ein paar Symbole drauf, die du gerne in deinen Geschichten verwendest. Die Steine können ausgesucht oder ganz geheimnisvoll aus einem Sack gezogen werden.

3) Hol dir Ideen von deinen Zuhörer:innen!

Hat die Geschichte wie in meinem oben genannten Fall nur einen Titel, ist es noch interessanter. Was löst er in mir aus? Oder in dir? Der Titel gibt mir schon mal die Möglichkeit, mir vorab Gedanken über den Verlauf der Geschichte zu machen. Einen roten Faden im Kopf spinnen, zu überlegen, wie beginnt sie und wie endet sie? Wenn der Titel der Geschichte „das Nudelmonster“ ist, gibt es unzählige Varianten von Geschichten. Je nach Erfahrungsschatz und Einfallsreichtum des Erzählers – und natürlich des kreativen Zuhörers.

Viele Kinder sind äußerst kreativ und erzählen gerne die Geschichte mit. Lass dich überraschen, welche Möglichkeiten die Figuren in deiner Geschichte haben, wenn du einfach die Kinder danach fragst. Oder wenn du nicht weiter weißt, kannst du einfach fragen, was als nächstes passieren soll. Ich kann dir garantieren, deine Zuhörer kennen mindestens eine Lösung.

Passe deine Geschichte dem Entwicklungsstand deines Kindes an

Wie alt ist das Kind, dem du eine Geschichte erzählen magst? Wie lange kann es aufmerksam dabeibleiben? Es gibt Zweijährige, die schon gerne einfachen Geschichten lauschen, aber auch Dreijährige, denen es schwer fällt, länger aufmerksam zu sein. Passe die Länge und den Inhalt der Geschichte deinem Gegenüber an. Kleinkinder mögen Geschichten aus dem Alltag, etwas, das sie selbst schon erlebt haben. Vielleicht magst du vom Teddy erzählen, der heute mit der Mama beim Arzt war? Oder von deinem Kind, wie es am Spielplatz Sandkuchen gebacken hat und dabei unbedingt die Kuchenform von seinem Freund gebraucht hat?

Für Kindergartenkinder dürfen es neben Alltäglichem aber auch gerne phantastische Wesen, magische Vorgänge und verrückte Welten sein. Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Geschwister mal beim Zähneputzen schrumpfen und auf einmal im Waschbecken landen? Oder die Henne Berta mit der Krähe Krax die Flügel tauscht? Tja, ich denke, da fällt dir gleich was dazu ein, oder?

Wenn die Kinder älter werden, dürfen die Geschichten auch etwas verwobener sein. Mehrere Handlungsstränge können gleichzeitig passieren, es darf wirklich spannend werden und auch länger dauern. Und denk daran: es reicht, wenn die Geschichte etwas ALLTÄGLICHES ist! Es reicht auch Siebenjährigen, wenn du ihnen vom Arztbesuch erzählst! (wobei, da könnte schon der Gazeverband etwas Unsinn treiben, oder?)

Für jede Geschichte kannst du dir (mit Hilfe deines Gegenübers) eine Hauptfigur überlegen – wie sieht sie aus, wie spricht sie, was macht sie gerne, wo wohnt sie? Kinder lieben auch lustige Namen. In unserem Fall könnte das Leo Löffelchen sein oder wie wärs mit Herrn Nudelkopf? Weiters kannst du überlegen, wie die nähere Umgebung in der Geschichte aussieht. Ist es eine Welt wie unsere, oder ein Meeresstrand, ein verwunschener Wald oder die Suppenschüssel? Wie riecht es in deiner Geschichte? Ist es kalt oder warm? Und welche Geräusche kann man hören? – nun, je älter die Kinder sind, desto detailreicher dürfen diese Beschreibungen sein. Keine Sorge, du merkst sofort am Gesichtsausdruck deiner Zuhörer, ob du sie gerade über-oder unterforderst oder genau den richtigen Nerv getroffen hast 😉

Wichtig ist, dass die Geschichte gut ausgeht. Der böse Zauberer wacht aus einem Traum auf oder ein Zauberspruch macht alles wieder gut? Wie auch immer, das Ende sollte eine sanfte Möglichkeit bieten, wieder langsam aber sicher im Hier und Jetzt anzukommen.

Einfach mal anfangen – die Erfahrung kommt von selbst!

So viele Ideen haben wir jetzt gesammelt und jetzt geht es los mit dem Erzählen. Macht es euch bequem und gemütlich, schalte dein Handy aus und sorge dafür, dass ihr möglichst nicht gestört werdet. Überlege dir, wie lange du Zeit zum Erzählen hast. Die verfügbare Zeit bestimmt die Handlung und Intensität deiner Geschichte.

Erzähle, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Mach dir bitte keine Gedanken über Grammatik, Satzbau oder Umgangssprache. Eine frei erzählte Geschichte ist nicht mit einem Text in einem Buch vergleichbar. Dein Blick, deine Emotionen, dein Ausdruck, deine Mimik erzählen die Geschichte mit dir. Vieles musst du deshalb auch gar nicht erklären, denn das macht das Erzählen von selbst. Sprich deine:n Zuhörer:in ruhig persönlich an: „Wisst ihr, was dann passiert ist?“ oder „was glaubst du, ist der Löffel nach Afrika oder in die Antarktis geflogen?“

So, ich denke, jetzt hast so große Lust, deinem/n Kind/ern eine Geschichte zu erzählen, dass du gar nicht mehr warten magst, oder? Na dann mal los, es kann ja eigentlich nichts passieren, ausser…hoppla…hast du das gesehen?

7 Mrz, 2020

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Geschichten erzählen leicht gemacht!

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