Wenn dein Baby schreit, steckt immer ein Bedürfnis oder eine innere Spannung dahinter. Häufige Ursachen sind Müdigkeit, Überreizung oder das Bedürfnis nach Nähe. Neben dem Bedürfnisschreien gibt es auch das Erinnerungsschreien und das Resonanzschreien, bei denen dein Baby Erlebnisse verarbeitet oder auf seine Umgebung reagiert. Das Schreien deines Babys signalisiert dir, dass es dich zur Beantwortung seiner Bedürfnisse oder als Co-RegulatorIn braucht. Entscheidend dabei ist nicht, das Schreien möglichst schnell zu beenden, sondern dein Baby liebevoll zu begleiten und ihm Sicherheit zu geben.
Wenn dein Baby schreit, nimm es hoch und trage es. Du kannst leise mit ihm sprechen oder summen. Konzentriere dich bei heftigen Schreiattacken in erster Linie auf dich selbst statt darauf, immer etwas Neues auszuprobieren. Dein Baby beruhigt sich dann, wenn du ruhig und entspannt bist. Atme tief in den Bauch, gehe ein paar Schritte durch den Raum und nimm deinen Körper wahr.
Wenn dein Baby schreit
Eltern lernen meist sehr schnell, die Bedürfnisse ihrer Neugeborenen einzuordnen. So erkennst du vielleicht schon an der Körpersprache deines Babys, wann es hungrig wird oder eine volle Windel hat und reagierst so schnell darauf, dass dein Baby gar nicht weinen musss.
Doch dann gibt es diese Situationen, in denen du bereits alles ausprobiert hast. Dein Baby ist gefüttert, die Windel frisch und dennoch zeigt es große Unruhe und beginnt untröstlich zu schreien.
Sofort spürst du, wie sich in dir Anspannung ausbreitet. Du nimmst es hoch, wiegst es, sprichst leise mit ihm oder bietest ihm nochmal Nahrung an. Für einen kurzen Moment scheint es ruhiger zu werden, doch dann beginnt das Weinen von Neuem.
Mit der Zeit kann sich das sehr erschöpfend anfühlen. Viele Eltern beschreiben, dass sie in solchen Momenten beginnen, an sich selbst zu zweifeln. Gedanken wie „Ich mache etwas falsch“ oder „Ich müsste doch wissen, was mein Baby braucht“ tauchen auf.
Wenn es dir so geht, bist du damit nicht allein. Und noch viel wichtiger: Dein Baby macht nichts falsch. Es zeigt dir auf seine Weise, dass es dich braucht.
Warum Babys schreien
Babys kommen mit einem noch unreifen Nervensystem zur Welt. Sie sind darauf angewiesen, dass ein erwachsener Mensch sie begleitet, hält und unterstützt. Das bedeutet auch, dass sie sich noch nicht selbst beruhigen können.
Schreien ist daher kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Ausdruck von innerer Bewegung. Dein Baby kommuniziert über seinen Körper und seine Stimme. Es zeigt dir, dass etwas gerade zu viel ist, dass es Nähe braucht oder dass es Unterstützung benötigt, um wieder in ein Gleichgewicht zu finden.
Drei Formen des Babyschreiens verstehen
Babys schreien nicht alle auf die gleiche Weise. Der Körperpsychotherapeut Thomas Harms beschreibt drei Formen des Babyschreiens: das Bedürfnisschreien, das Erinnerungsschreien und das Resonanzschreien. Diese Unterscheidung kann dir helfen, dein Baby besser zu verstehen und dein eigenes Handeln einzuordnen.
Bedürfnisschreien entsteht, wenn ein aktuelles Bedürfnis nicht erfüllt ist, zum Beispiel Hunger, Müdigkeit oder das Bedürfnis nach Nähe.
Erinnerungsschreien zeigt sich, wenn ein Baby innere Spannungen oder belastende Erfahrungen verarbeitet.
Resonanzschreien tritt auf, wenn ein Baby auf die emotionale Stimmung seiner Umgebung reagiert.
Diese drei Formen lassen sich im Alltag nicht immer klar voneinander trennen. Dennoch kann dieses Wissen dir eine neue Orientierung geben – besonders in Momenten, in denen du das Gefühl hast, dass sich das Weinen deines Babys nicht sofort beruhigen lässt.
1. Bedürfnisschreien
Das Bedürfnisschreien ist die Form, die viele Eltern intuitiv gut erkennen. Dein Baby zeigt damit, dass ihm gerade etwas fehlt. Es kann Hunger, Durst oder eine volle Windel haben, müde sein oder Nähe suchen.
Oft verändert sich das Weinen, sobald du darauf reagierst. Dein Baby wird ruhiger, entspannt sich und findet wieder in einen ausgeglicheneren Zustand zurück.
2. Erinnerungsschreien
Beim Erinnerungsschreien geht es weniger um ein aktuelles Bedürfnis. Dein Baby verarbeitet hier innere Spannungen oder belastende Erfahrungen. Das können intensive Momente rund um die Geburt sein oder auch Situationen im Alltag, die für dein Baby zu viel waren.
Dieses Schreien lässt sich oft nicht sofort beruhigen. Auch wenn du deinem Baby Nähe gibst, scheint es, als würde nichts richtig helfen. In diesen Momenten geht es nicht darum, das Weinen zu beenden, sondern deinem Baby einen sicheren Rahmen zu geben.
Deine ruhige Präsenz, dein Halt und dein Dasein unterstützen dein Baby dabei, diese inneren Spannungen zu verarbeiten.
3. Resonanzschreien
Beim Resonanzschreien reagiert dein Baby sehr fein auf die emotionale Stimmung seiner Umgebung. Es spürt, wenn du angespannt, müde oder innerlich unruhig bist, und gerät selbst leichter in Unruhe.
Das bedeutet nicht, dass du etwas falsch machst. Es zeigt vielmehr, wie eng ihr miteinander verbunden seid.
In solchen Momenten kann es hilfreich sein, den Blick auch sanft nach innen zu richten. Ein bewusster Atemzug oder ein kurzer Moment der Ruhe kann bereits eine Veränderung bringen – für dich und dein Baby.
Mögliche Ursachen für starkes Schreien
Neben offensichtlichen Bedürfnissen wie Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Müdigkeit oder einer vollen Windel gibt es viele weitere Ursachen, die du in deine Überlegungen einbeziehen kannst:
- Organische Ursachen oder körperliche Beschwerden
Wenn du unsicher bist, ob dein Baby Schmerzen hat, zögere nicht, einen Kinderarzt aufzusuchen. Das bedeutet nicht, dass du übervorsichtig bist, sondern liegt in deiner Verantwortung als sorgender Elternteil. Ein Arzt kann körperliche Ursachen für häufige Schreiattacken ausschließen. Das trägt zu deiner Entspannung und Sicherheit bei.
- Überreizung im Alltag
Im Laufe eines Tages sammeln sich viele Eindrücke an. Geräusche, Licht, Stimmen und Bewegungen wirken auf dein Baby ein. Was für uns Erwachsene selbstverständlich ist, kann für ein Baby bereits sehr viel sein. Gerade am Abend zeigen viele Babys Unruhe. Sie finden schwer zur Ruhe und beginnen zu weinen. Häufig ist das ein Zeichen dafür, dass der Tag bereits viele Eindrücke mit sich gebracht hat.
- Übermüdung und fehlender Übergang in den Schlaf
Viele Babys sind müde, finden aber dennoch nicht in den Schlaf. Sie wirken unruhig oder beginnen zu weinen, obwohl sie eigentlich Ruhe bräuchten. Der Übergang in den Schlaf ist für Babys ein sensibler Moment, der eine Begleitung braucht, die Sicherheit und Orientierung gibt.
- Das Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit
Ein Baby ist von Anfang an auf Nähe ausgerichtet. Körperkontakt, Wärme und vertraute Stimmen geben ihm Sicherheit. Um Stress und Unruhezuständen vorzubeugen, trage dein Baby gerne so viel du magst und sprich mit ihm. Die Sorge, dein Baby damit zu verwöhnen, ist vollkommen unbegründet. Je mehr Nähe und Sicherheit dein Baby jetzt bekommst, desto größer wird später seine Neugierde an seiner Umgebung sein.
- Unreife Selbstregulation
Babys können ihre Gefühle noch nicht selbst regulieren. Sie brauchen dich als Begleitung, um wieder in einen ruhigeren Zustand zu finden. Dein Baby orientiert sich an dir. Deine Präsenz hilft ihm, sich zu stabilisieren.
Die Ursachen für ein unausgeglichenes Nervensystem können vielfältig sein. Mach dir keine Sorgen, wenn du nicht sofort weißt, warum dein Baby jetzt schreit. Es ist ganz normal, dass Eltern die Gründe für heftige Schreiattacken nicht ohne Unterstützung von außen erkennen. Vielleicht erzählt dein Baby gerade von seinen Geburtserlebnissen oder der Zeit vor seiner Geburt. Bleib neugierig und vertraue auf dein Bauchgefühl – Eltern wissen meist am besten, was ihr Baby gerade erzählt und braucht!
Was dir und deinem Baby bei heftigem Schreien helfen kann
In solchen Momenten geht es nicht darum, das Weinen schnell zu beenden. Es geht darum, deinem Baby zu zeigen, dass es mit seinen Gefühlen nicht alleine ist.
Nähe kann hier eine große Unterstützung sein. Dein Baby zu tragen, es sanft zu halten oder ihm einfach deinen Körper anzubieten hilft ihm dabei, sein Nervensystem zu beruhigen und zu regulieren.
Auch deine eigene innere Haltung spielt eine wichtige Rolle. Wenn du merkst, dass dich die Situation stark belastet, kann es helfen, bewusst innezuhalten, deine Atmung und deinen Körper wahrzunehmen.
- Gehe ein paar Schritte in deinem Tempo durch den Raum
- Bewege dein Becken hin und her, vor und zurück
- Atme tief in deinen Bauch
Oft hilft es auch, den Alltag etwas ruhiger zu gestalten. Weniger Reize und ein gleichmäßiger Rhythmus können dein Baby und somit dich selbst entlasten.
Und manchmal bedeutet Begleitung auch, das Weinen auszuhalten. Du bist da, du hältst dein Baby und tröstest es – das ist bereits sehr viel.
Wenn deine Grenze erreicht ist
Wenn du zu erschöpft bist oder Gefühle hochkommen, die deinem Baby schaden, lege dein Baby an einem sicheren Ort ab und verlasse kurz den Raum um durchzuatmen. Bleib unbedingt in der Nähe und nimm dir kurz Zeit, dich um deine Bedürfnisse zu kümmern. Das kann helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und dein Baby erneut gut begleiten zu können.
- Lass dein Baby nur dann kurz alleine, wenn es nicht mehr anders geht!
- Hole dir schnelle Hilfe von Freunden und Verwandten
- Kontaktiere eine Expertin, einen Experten, der dich langfristig emotionell unterstützt (Hier findest du zertifizierte BeraterInnnen in ganz Europa!)
- Schüttel dein Baby niemals! – Das kann ein tödliches Schleudertrauma zur Folge haben!
Unterstützung bei anhaltendem Babyschreien – vor Ort und online
Wenn du merkst, dass dich die Situation dauerhaft erschöpft oder dein Baby kaum zur Ruhe kommt, darfst du dir Unterstützung holen. Dir Hilfe zu holen ist ein Zeichen der Stärke. Ein gemeinsames Hinschauen kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
In meiner Begleitung schauen wir gemeinsam auf eure Situation. Wir nehmen uns Zeit, die Signale deines Babys zu verstehen und Wege für mehr Entspannung zu finden, die zu euch passen.
Du bekommst Raum für deine Fragen, deine Unsicherheiten und deine Gefühle. Schritt für Schritt kann so wieder mehr Ruhe und Sicherheit entstehen.
Ich begleite Eltern in meiner Praxis in Kaisersdorf (Burgenland) sowie online. In einem geschützten Rahmen schauen wir gemeinsam, was hinter dem Schreien deines Babys steckt und welche Schritte euch im Alltag unterstützen können.
Um herauszufinden, ob und wie ich euch in eurer aktuellen Situation helfen kann, buche gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch.


Häufige Fragen zum Thema Babyschreien
Warum schreit mein Baby plötzlich so viel?
Wenn dein Baby plötzlich mehr schreit, kann das mit Entwicklungsschritten, Überreizung oder veränderten Schlafphasen zusammenhängen. Babys reagieren sensibel auf Veränderungen und zeigen das oft durch Weinen.
Warum schreien Babys besonders abends?
Am Abend verarbeiten Babys die Eindrücke des Tages. Das Nervensystem ist noch aktiv, obwohl Müdigkeit da ist. Das kann zu vermehrtem Weinen führen.
Wie kann ich mein Baby beruhigen, wenn es schreit?
Oft hilft es, dein Baby nah bei dir zu halten, es zu tragen oder sanft mit ihm zu sprechen. Entscheidend ist deine ruhige, zugewandte Präsenz.
Was soll ich tun, wenn sich mein Baby nicht beruhigen lässt?
Versuche, ruhig zu bleiben und dich auf dich zu konzentrieren. Gehe durch den Raum, nimm deinen Körper wahr und atme tief in deinen Bauch.
Kann ich mein Baby verwöhnen, wenn ich sofort reagiere?
Nein. Durch dein Reagieren entsteht Sicherheit. Diese ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung.
Wann sollte ich mir Hilfe holen, wenn mein Baby viel schreit?
Wenn du dich erschöpft oder überfordert fühlst oder dein Baby kaum zur Ruhe kommt, kann es sehr entlastend sein, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Wo finde ich Hilfe, wenn mein Baby viel schreit in Österreich?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung, sowohl vor Ort als auch online. Wichtig ist, dass du dich gut begleitet fühlst und Raum für eure individuelle Situation hast. Zertifizierte BeraterInnen findest du hier: Mitglied Archiv – EEH – Emotionelle Erste Hilfe
Gibt es Unterstützung bei Schreibabys im Burgenland?
Ja, auch in deiner Region gibt es bindungsorientierte Begleitung für Eltern mit viel schreienden Babys. Neben Angeboten vor Ort kann auch eine Online-Begleitung eine gute Möglichkeit sein, Unterstützung zu erhalten.







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