Warum schreit mein Baby? – Ursachen verstehen und liebevoll begleiten
Wenn dein Baby schreit, steckt immer ein Bedürfnis oder eine innere Spannung dahinter. Häufige Ursachen für untröstliches Schreien können übergangene Müdigkeit, Überreizung, das Bedürfnis nach Nähe oder die Verarbeitung von Geburtserlebnissen sein. Neben dem Bedürfnisschreien gibt es auch ein Erinnerungsschreien und ein Resonanzschreien, bei denen dein Baby vergangene Erlebnisse verarbeitet oder auf seine Umgebung reagiert. Das Schreien deines Babys signalisiert dir, dass es dich zur Beantwortung seiner Bedürfnisse oder als Co-RegulatorIn braucht. Entscheidend dabei ist nicht, das Schreien möglichst schnell zu beenden, sondern dein Baby liebevoll zu begleiten und ihm Sicherheit zu geben.
Wenn dein Baby schreit, nimm es hoch und trage es. Du kannst leise mit ihm sprechen oder summen. Konzentriere dich bei heftigen Schreiattacken in erster Linie auf dich selbst statt darauf, immer etwas Neues auszuprobieren. Dein Baby beruhigt sich dann, wenn du ruhig und entspannt bist. Atme tief in den Bauch, gehe ein paar Schritte durch den Raum und nimm deinen Körper wahr.
Wenn dein Baby schreit
Wie viele Eltern lernst du wahrscheinlich sehr schnell, die Bedürfnisse deines Neugeborenen einzuordnen. So erkennst du vielleicht schon an der Körpersprache deines Babys, wann es hungrig wird oder eine volle Windel hat und reagierst so schnell darauf, dass dein Baby gar nicht heftig zu weinen beginnt.
Doch dann gibt es diese Situationen, in denen du bereits alles ausprobiert hast. Dein Baby ist gefüttert, die Windel frisch und dennoch zeigt es große Unruhe und beginnt untröstlich zu schreien. Vor allem am Abend berichten viele Eltern von der sogenannten “Hexenstunde”. Dein Baby schreit untröstlich, vielleicht sogar länger als eine Stunde.
Sofort spürst du, wie sich in dir Anspannung ausbreitet. Du nimmst es hoch, wiegst es, sprichst leise mit ihm oder bietest ihm nochmal Nahrung an. Für einen kurzen Moment scheint es ruhiger zu werden, doch dann beginnt das Weinen von Neuem.
Mit der Zeit kann sich das sehr erschöpfend anfühlen. Viele Eltern beschreiben, dass sie in solchen Momenten beginnen, an sich selbst zu zweifeln. Gedanken wie „Ich mache etwas falsch“ oder „Ich müsste doch wissen, was mein Baby braucht“ können auftauchen.
Wenn es dir so geht, bist du damit nicht allein. Und noch viel wichtiger: Dein Baby macht nichts falsch. Es zeigt dir auf seine Weise, dass es dich braucht.
Warum Babys schreien
Babys kommen mit einem noch unreifen Nervensystem zur Welt. Sie sind darauf angewiesen, dass ein erwachsener Mensch sie begleitet, hält und unterstützt. Das bedeutet auch, dass sie sich noch nicht selbst beruhigen können.
Schreien ist daher kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Ausdruck von innerer Bewegung. Dein Baby kommuniziert über seinen Körper und seine Stimme. Es zeigt dir, dass etwas gerade zu viel ist, dass es Nähe braucht oder dass es Unterstützung benötigt, um wieder in ein Gleichgewicht zu finden.
Drei Formen des Babyschreiens verstehen
Babys schreien nicht alle auf die gleiche Weise. Der Körperpsychotherapeut Thomas Harms beschreibt drei Formen des Babyschreiens: das Bedürfnisschreien, das Erinnerungsschreien und das Resonanzschreien. Diese Unterscheidung kann dir helfen, dein Baby besser zu verstehen und dein eigenes Handeln einzuordnen.
Bedürfnisschreien entsteht, wenn ein aktuelles körperliches Bedürfnis nicht erfüllt ist, zum Beispiel Hunger, Müdigkeit oder das Bedürfnis nach Nähe.
Erinnerungsschreien zeigt sich, wenn ein Baby innere Spannungen oder belastende Erfahrungen verarbeitet.
Resonanzschreien tritt auf, wenn ein Baby auf die emotionale Stimmung seiner Umgebung reagiert.
Diese drei Formen lassen sich im Alltag nicht immer klar voneinander trennen. Dennoch kann dieses Wissen dir eine neue Orientierung geben – besonders in Momenten, in denen du das Gefühl hast, dass sich das Weinen deines Babys nicht sofort beruhigen lässt. Mit etwas Geduld und Unterstützung wird es nicht lange dauern, bis du das Schreien deines Babys richtig einordnen kannst.
1. Bedürfnisschreien
Das Bedürfnisschreien ist die Form, die viele Eltern intuitiv gut erkennen. Dein Baby zeigt damit, dass ihm gerade etwas fehlt. Es kann Hunger, Durst oder eine volle Windel haben, müde sein oder deine Nähe suchen.
Oft verändert sich das Weinen, sobald du darauf reagierst. Dein Baby wird ruhiger, entspannt sich und findet wieder in einen ausgeglicheneren Zustand zurück, sobald es hochgehoben wird, du mit ihm sprichst oder seinen Hunger stillst.
2. Erinnerungsschreien
Beim Erinnerungsschreien verarbeitet dein Baby innere Spannungen oder belastende Erfahrungen. Das können intensive Momente rund um die Geburt oder der Schwangerschaft sein oder auch Situationen im Alltag, die für dein Baby zu viel waren.
Dieses Schreien lässt sich oft nicht sofort beruhigen. Auch wenn du deinem Baby Nähe gibst, scheint es, als würde nichts richtig helfen. Egal was du versuchst, nichts scheint das Schreien dauerhaft zu beruhigen. In diesen Momenten geht es nicht darum, das Weinen so schnell wie möglich zu beenden, sondern deinem Baby Halt und einen sicheren Raum zu geben, um seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen.
Deine ruhige Präsenz, dein Halt und dein Dasein unterstützen dein Baby dabei, innere Spannungen und Erinnerungen zu verarbeiten.
3. Resonanzschreien
Babys reagieren sehr fein auf die emotionale Stimmung ihrer Umgebung. Es spürt, wenn du angespannt, müde oder innerlich unruhig bist und gerät dann selbst leichter in Unruhe. Dies äußert sich dann in einem Resonanzschreien.
Das bedeutet nicht, dass du etwas falsch machst. Es zeigt vielmehr, wie eng ihr miteinander verbunden seid. Oft genügen kleine äußere Einflüsse wie Besuche, ein Einkaufsbummel oder die Sorge um ältere Geschwister um Stress zu erzeugen.
In solchen Momenten kann es hilfreich sein, den Blick auch sanft nach innen zu richten. Ein bewusster Atemzug oder ein kurzer Moment der Ruhe kann bereits eine Veränderung bringen – für dich und dein Baby.
Mögliche Ursachen für starkes Schreien
Neben offensichtlichen Bedürfnissen wie Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Müdigkeit oder einer vollen Windel gibt es viele weitere Ursachen, die du in deine Überlegungen einbeziehen kannst:
- Organische Ursachen oder körperliche Beschwerden
Wenn du unsicher bist, ob dein Baby Schmerzen hat, zögere nicht, einen Kinderarzt aufzusuchen. Das bedeutet nicht, dass du übervorsichtig bist, sondern liegt in deiner Verantwortung als sorgender Elternteil. Ein Arzt kann körperliche Ursachen für häufige Schreiattacken ausschließen. Das trägt zu deiner Entspannung und Sicherheit bei.
- Überreizung im Alltag
Im Laufe eines Tages sammeln sich viele Eindrücke an. Geräusche, Licht, Stimmen und Bewegungen wirken auf dein Baby ein. Was für uns Erwachsene selbstverständlich ist, kann für ein Baby bereits sehr viel sein. Gerade am Abend zeigen viele Babys Unruhe. Sie finden schwer zur Ruhe und beginnen zu weinen. Häufig ist das ein Zeichen dafür, dass der Tag bereits viele Eindrücke mit sich gebracht hat.
- Übermüdung und fehlender Übergang in den Schlaf
Viele Babys sind müde, finden aber dennoch nicht in den Schlaf. Sie wirken unruhig oder beginnen zu weinen, obwohl sie eigentlich Ruhe bräuchten. Der Übergang in den Schlaf ist für Babys ein sensibler Moment, der eine Begleitung braucht, die Sicherheit und Orientierung gibt.
- Das Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit
Ein Baby ist von Anfang an auf Nähe ausgerichtet. Körperkontakt, Wärme und vertraute Stimmen geben ihm Sicherheit. Um Stress und Unruhezuständen vorzubeugen, trage dein Baby gerne so viel du magst und sprich mit ihm. Die Sorge, dein Baby damit zu verwöhnen, ist vollkommen unbegründet. Je mehr Nähe und Sicherheit dein Baby jetzt bekommst, desto größer wird später seine Neugierde an seiner Umgebung sein.
- Unreife Selbstregulation
Babys können ihre Gefühle noch nicht selbst regulieren. Sie brauchen dich als sogenannte:n Co-Regulator:in, um wieder in einen ruhigeren Zustand zu finden. Dein Baby orientiert sich an dir. Deine ruhige Präsenz hilft ihm dabei, sich zu stabilisieren.
Die Ursachen für ein unausgeglichenes Nervensystem können vielfältig sein. Mach dir keine Sorgen, wenn du nicht sofort weißt, warum dein Baby jetzt schreit. Es ist ganz normal, dass Eltern die Gründe für heftige Schreiattacken nicht ohne Unterstützung von außen erkennen. Vielleicht erzählt dein Baby gerade von seinen Geburtserlebnissen oder der Zeit vor seiner Geburt. Bleib neugierig und vertraue auf dein Bauchgefühl – Eltern wissen meist am besten, was ihr Baby gerade erzählt und braucht!
Was dir und deinem Baby bei heftigem Schreien helfen kann
In solchen Momenten geht es nicht darum, das Weinen schnell zu beenden. Es geht darum, deinem Baby zu zeigen, dass es mit seinen Gefühlen nicht alleine ist. Indem du dein Baby beim Weinen begleitest fühlt sich dein Baby gesehen und gehört – damit beantwortest du ein essentielles emotionales Bedürfnis!
Nimm dein Baby hoch und trage es eng an deinem Körper. Deine Nähe und deine Ruhe hilft deinem Baby, sein Nervensystem zu beruhigen und zu regulieren. Versuche, nicht ständig die Position zu wechseln oder etwas Neues auszuprobieren. Meist ist sinnvoller, dein Baby in einer Position zu halten und dem Weinen Raum zu geben, solange es dein Baby braucht.
Deine eigene innere Haltung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wenn du merkst, dass dich die Situation stark belastet, kann es helfen, bewusst innezuhalten, deine Atmung und deinen Körper wahrzunehmen.
- Gehe ein paar Schritte in deinem Tempo durch den Raum
- Bewege dein Becken hin und her, vor und zurück
- Atme tief in deinen Bauch
Oft hilft es auch, den Alltag etwas ruhiger zu gestalten. Weniger Reize und ein gleichmäßiger Rhythmus können dein Baby und somit dich selbst entlasten.
Nicht vergessen: Du bist da, du hältst dein Baby und tröstest es – das ist bereits sehr viel.
Wenn deine Grenze erreicht ist
Wenn du zu erschöpft bist oder Gefühle hochkommen, die deinem Baby schaden, lege dein Baby an einem sicheren Ort ab und verlasse kurz den Raum um durchzuatmen. Bleib unbedingt in der Nähe und nimm dir kurz Zeit, dich um deine Bedürfnisse zu kümmern. Das kann helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und dein Baby später erneut gut begleiten zu können.
- Lass dein Baby nur dann kurz alleine, wenn es nicht mehr anders geht!
- Übergib das Baby deiner Partnerin oder deinem Partner um durchzuschnaufen
- Hole dir schnelle Hilfe von Freunden und Verwandten
- Kontaktiere eine Expertin, einen Experten, der dich langfristig emotionell unterstützt (Hier findest du zertifizierte BeraterInnnen in ganz Europa!)
- Schüttel dein Baby niemals! – Das kann ein tödliches Schleudertrauma zur Folge haben!
Unterstützung bei anhaltendem Babyschreien – vor Ort und online
Wenn du merkst, dass dich die Situation dauerhaft erschöpft oder dein Baby kaum zur Ruhe kommt, darfst du dir Unterstützung holen. Dir Hilfe zu holen ist ein Zeichen der Stärke und Verantwortung. Ein gemeinsames Hinschauen kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
In meiner Begleitung schauen wir gemeinsam auf eure Situation. Wir nehmen uns Zeit, die Signale deines Babys zu verstehen und Wege für mehr Entspannung zu finden, die zu euch passen.
Du bekommst Raum für deine Fragen, deine Unsicherheiten und deine Gefühle. Schritt für Schritt kann so wieder mehr Ruhe und Sicherheit entstehen.
Ich begleite Eltern in meiner Praxis in Kaisersdorf (Burgenland) sowie online. In einem geschützten Rahmen schauen wir gemeinsam, was hinter dem Schreien deines Babys steckt und welche Schritte euch im Alltag unterstützen können.
Um herauszufinden, ob und wie ich euch in eurer aktuellen Situation helfen kann, buche gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch.


Häufige Fragen zum Thema Babyschreien
Warum schreit mein Baby plötzlich so viel?
Wenn dein Baby plötzlich mehr schreit, kann das mit Entwicklungsschritten, Überreizung oder der Verarbeitung belastender Geburtserfahrungen zusammenhängen. Rund um die 6. Lebenswoche erreicht die Geburtsverarbeitung ihren Höhepunkt.
Habe ich ein Schreibaby?
Es gibt Kritierien, die ein Schreibaby ausmachen. (Schreien von mehr als 3 Stunden täglich, mindestens 3x die Woche über mehr als 3 Wochen hinweg). Auch, wenn das auf dein Baby nicht zutrifft, kann es sein, dass dich das Schreien deines Kindes sehr belastet.
Warum schreien Babys besonders abends?
Am Abend verarbeiten Babys die Eindrücke des Tages. Das Nervensystem ist noch aktiv, obwohl Müdigkeit da ist. Das kann zu vermehrtem Weinen führen.
Wie kann ich mein Baby beruhigen, wenn es schreit?
Oft hilft es, dein Baby nah bei dir zu halten, es zu tragen oder sanft mit ihm zu sprechen. Entscheidend ist deine ruhige, zugewandte Präsenz.
Was soll ich tun, wenn sich mein Baby nicht beruhigen lässt?
Versuche, ruhig zu bleiben und dich auf dich zu konzentrieren. Gehe durch den Raum, nimm deinen Körper wahr und atme tief in deinen Bauch. Wechsel dich bei heftigen Schreiattacken mit Vertrauenspersonen aus deinem Umfeld ab. Lass dein Baby nur im Notfall alleine, um kurz durchzuatmen. _Lege es dafür an einem sicheren Ort ab. Schüttel dein Baby niemals!
Kann ich mein Baby verwöhnen, wenn ich sofort reagiere?
Nein. Durch dein Reagieren entsteht Sicherheit. Diese ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung.
Wann sollte ich mir Hilfe holen, wenn mein Baby viel schreit?
Wenn du dich erschöpft oder überfordert fühlst oder dein Baby kaum zur Ruhe kommt, kann es sehr entlastend sein, Unterstützung und Beratung in Anspruch zu nehmen.
Wo finde ich Hilfe, wenn mein Baby viel schreit in Österreich?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung, sowohl vor Ort als auch online. Wichtig ist, dass du dich gut begleitet fühlst und Raum für eure individuelle Situation hast. Zertifizierte BeraterInnen findest du hier: Mitglied Archiv – EEH – Emotionelle Erste Hilfe
Gibt es Unterstützung bei Schreibabys im Burgenland?
Ja, auch in deiner Region gibt es bindungsorientierte Begleitung für Eltern mit viel schreienden Babys. Neben Angeboten vor Ort kann auch eine Online-Begleitung eine gute Möglichkeit sein, Unterstützung zu erhalten.








