„Schau mal, Felix, es hat geschneit!“ Es ist früh am Morgen, als Anna Felix wachrüttelt.
„Das musst du dir unbedingt ansehen, ich lauf gleich mal runter. Komm schon, du Schlafmütze!“
Felix schaut verschlafen aus dem Fenster. Eine dicke Schneeschicht hat sich in der Nacht über den Garten gelegt. Die Äste der Bäume biegen sich genauso weit hinunter, wie im Herbst, wenn die vielen Äpfel drauf hängen. Felix kann auf der Schneedecke die Spuren von Leo erkennen. Der Hund hat seine Morgenrunde im Garten also schon gedreht.
„Komm schon raus, das ist lustig!“ ruft Anna. Sie läuft im Pyjama durch den Garten.
„He, du hast ja gar keine Schuhe an!“
„Brauch ich nicht. Das geht auch so. Die zieh ich erst an, wenn mir so richtig kalt ist!“ Kichernd läuft Anna noch eine Runde durch den Schnee und hinterlässt lustige Fußspuren.
Es fällt Felix schwer, sich zu entscheiden. Einerseits sieht das wirklich lustig aus, aber andererseits ist ihm jetzt schon ein bisschen kalt. Immerhin ist ja Winter und da draußen liegt Schnee.
„Nein, barfuß im Schnee, das ist ja wirklich verrückt“ denkt er.
Er schnappt sich seine Winterstiefel und steigt mit einem Fuß hinein. Aber ihm fällt ein, dass er ja erst noch seinen Schianzug anziehen muss, bevor er in die Stiefel steigt.
Mit viel Mühe steigt er in seinen dicken Schianzug, dann in seine Stiefel. Er setzt noch seine Haube auf und streift seinen Halsschlauch über. „Mama! Du musst mir meine Handschuhe anziehen!“ ruft er laut.
Als die Mama die Stiegen herunterkommt, sieht sie verschlafen aus. „Brrrr, da ist es aber kalt.“ Mama schließt erst die Eingangstüre, dann sieht sie Felix an: „Du gehst also schon raus in den Garten?“
„Ja, die Anna ist schon ganz lange draußen!“
Mama zieht Felix die Handschuhe an und öffnet wieder die Eingangstüre. Da sieht sie Anna, die immer noch barfuß im Pyjama durch den Garten hüpft. Sie schüttelt den Kopf und schlingt ihre Arme um ihren Oberkörper: „Anna, wenn ich dir zuschaue, wird mir schon kalt!“
„Aber mir ist gar nicht kalt!“ Anna lacht und macht jetzt sogar einen Purzelbaum im Schnee.
„Aber dein Pyjama ist schon ganz nass und deine Haare!“ – „Egal Mama, bringst du mir meine Zahnbürste? Ich will heute im Schnee meine Zähne putzen.“
Mama seufzt und holt die beiden Zahnbürsten und die Zahnpasta aus dem Badezimmer. Sie steckt alles in ein Glas und reicht es den Kindern bei der Eingangstüre hinaus.
„Ich werde euch mal warmes Frühstück machen.“
„Felix, wir putzen heute unsere Zähne mit Schnee.“ Anna reicht Felix die Zahnbürste.
Felix ist gerade dabei, Spuren im Schnee zu machen. „Überall müssen Spuren sein. Auch da hinten, in allen Ecken.“
Anna hört nicht auf Felix. Sie nimmt ihre Zahnbürste in die Hand, taucht sie in den weichen Schnee und kleckst dann eine kleine Kugel rosa Zahnpasta drauf. Bevor sie beginnt, ihre Zähne zu putzen, nimmt sie noch ein bisschen Schnee in die Hand und steckt ihn in den Mund.
„Hmm, lecker. Felix, das musst du ausprobieren! Schnee mit Zahnpasta!“ Beim Zähneputzen füllt sich Annas Mund mit Schaum, den sie einfach in den Schnee spuckt. Rosa Schaum auf weißem Schnee.
„Felix! Schau mal, was ich gemacht habe! Ich hab einen rosa Erdbeerstern gespuckt!“
Das muss sich Felix ansehen. Einen rosa Erdbeerstern? Tatsächlich. Neben Anna sieht er einen rosa Fleck, der aussieht, wie ein Stern. In einem wunderbaren und leckeren Erdbeerrosa.
„Ich will auch!“ Also beginnt auch Felix, seine Zahnbürste in den Schnee zu tauchen. Anna kleckst ihm auch eine Kugel Zahnpasta drauf. Nach dem Putzen spuckt Felix seinen Schaum in den Schnee.
„Oh, das ist ein Herz!“ ruft Anna. Beide Kinder lachen.
„Frühstück ist fertig!“ ruft Mama. „Und Anna, ich will jetzt wirklich, dass du reinkommst, du bist pitsche-patsche-nass!“
Anna überlegt. Ja, schön langsam kann sie die Kälte auch spüren. Vor allem in den Füßen, denn die stehen ja immer noch im Schnee.
Die Kinder laufen zurück ins Haus. Mama trocknet Anna die Haare mit einem dicken Handtuch ab, hängt den nassen Pyjama über den Kachelofen und wickelt Anna in eine warme Decke.
„Mama, ich muss nach dem Frühstück unbedingt noch einmal Zähne putzen. Draußen, mit dem Schnee.“ sagt Felix.
Mama wundert sich. „Das ist ja was ganz was Neues. Du putzt doch sonst nicht gerne deine Zähne. Wieso dann heute gleich doppelt?“
„Weil ich mag noch einmal in den Schnee spucken. Mein Zahnpastaherz schaut so schön aus.“
„Zahnpastaherz?“
„Mama, Felix und ich haben die Zahnpasta nach dem Putzen in den Schnee gespuckt. Ich hab´ einen Stern gespuckt.“ Anna kichert und Felix muss auch lachen.
„Also ihr könnt gerne nochmal Zähne putzen. Da hab ich gar nichts dagegen. Aber ich mag nicht, dass ihr die ganze Zahnpasta im Schnee verspuckt.“
„Aber der bunte Schnee schaut so schön aus. Ich will noch mehr bunten Schnee haben.“ Felix verzieht den Mundwinkel und schaut Mama hoffnungsvoll an.
„Okay, wenn du bunten Schnee machen willst, dann hab´ ich eine andere Idee. Wie wäre es, wenn ich euch ein paar Schüsseln buntes Wasser vorbereite und ihr damit den Schnee bunt macht?“
„Jaaaa!“ rufen beide Kinder gleichzeitig
Mama stellt 4 Schüsseln mit Wasser auf ein weißes Tablett. Dann färbt sie mit Lebensmittelfarbe das Wasser ein. Blau, Rot, Grün, Gelb. Dazu legt sie noch ein paar Spritzen und zwei Sprühflaschen dazu. Die Sprühflaschen befüllt sie mit orangem, grünen und lila Wasser.
Nach dem Frühstück ziehen sich beide Kinder ihre Schianzüge und ihre Schuhe an und stapfen wieder hinaus in den Schnee. Anna nimmt das Tablett mit dem bunten Wasser mit.
Felix beginnt gleich, mit den Spritzen den Schnee einzufärben. In jeder Ecke des Gartens will er bunte Sterne und Flecken hinterlassen.
Und Anna? Anna malt Herzen in allen Farben in den Schnee. „Weil ich den Schnee so liebe,“ sagt sie.
„Was? Du erzählst einfach so eine Geschichte? Ohne dir vorher überlegt zu haben, worum es gehen soll?“
Ja, so mache ich das. Jeden Tag erzählen wir im Montessoriverein Storchennest unseren Kindergartenkindern eine Schlussgeschichte. Dazu braucht es weder eine spezielle Ausbildung, noch einen besonders kreativen Geist. Es ist ganz einfach, eine Geschichte frei zu erzählen, wenn du deine Zuhörerinnen um Hilfe bittest und ihnen genau zuhörst. Denn die Ideen kommen meist von den Kindern selbst.
Diese fünf Schritte helfen dir dabei, einfach einmal zu starten und deine Zuhörerinnen an das Miterzählen zu gewöhnen.
1. Wähle einen Ideenbooster
Um eine Idee für eine kurze Geschichte zu bekommen, kannst du dir Helferlein zulegen. Das kann ein Wimmelbild sein oder Symbole, die du mit deinen Kindern auf Kärtchen oder Steine zeichnest. Wenn du es dir ganz einfach machten möchtest, hol dir gerne meine Geschichtenwürfel mit echten Fotos zum Selbermachen.
Zieht nun so viele Kärtchen oder Steine, wie ihr wollt (nicht mehr als fünf! – nachziehen könnt ihr immer noch!) und guckt euch die Symbole genau an.
Wenn du gerade keine Helferlein zur Hand hast, kannst du natürlich auch deine ZuhörerInnen auch um Ideen bitten. Frag sie einfach, wie die Geschichte heißen soll!
Vielleicht erzählen dir jetzt schon deine Kinder, was ihnen zu den verschiedenen Symbolen einfällt. Oder sie erzählen dir gleich, was sie damit schon einmal erlebt haben. Lass jede einzelne Zuhörerin erzählen, was er zu erzählen hat und höre einfach gut zu. Das Ziel eures Zusammenseins muss nicht unbedingt eine perfekt erzählte Geschichte von dir sein 😉 Es geht vielmehr um ein gegenseitiges Zuhören und aufmerksames Zusammensein. QualityTime für Jung und Alt.
2. Such dir eine Hauptfigur
Während vielleicht deine Kinder noch von ihren Erlebnissen erzählen, kannst du schon eine Hauptfigur wählen. Wer könnte Ähnliches erlebt haben, wie dieses Kind? Die Hauptfigur kann ein Tier sein – oder mehrere. Oder ein Onkel, ein Opa, eine Tante aus Amerika oder das Nachbarskind. Erfinde eine Figur, die in die Welt deines Kindes passt. Diese Hauptfigur benötigt einen Namen. Kinder lieben lustige Namen, lass deiner Kreativität einfach freien Lauf. Wenn dir keiner einfällt, frag einfach deine Zuhörerinnen. Am besten beginnst du deine Geschichte damit, deine Hauptfigur zu beschreiben. Haarfarbe, Alter, Hobbys, vielleicht, woher sie ihren Namen hat,…
Welche Eigenschaften hat deine Hauptfigur? Ist es vielleicht das Schwein Rosa, das eigentlich gelb ist? Oder die schusselige Tante Helga, die ständig etwas vergisst oder verkehrt herum macht?
Die Hauptfigur(en) in deiner Geschichte haben entweder ein Problem, das gelöst werden muss. Oder sie erleben etwas Unvorhergesehenes, Außergewöhnliches, das spezielle Handlungen nach sich zieht. Für Kinder unter drei Jahren braucht es weder ein Problem, noch ein spezielles Abenteuer. Für so junge Kinder reicht es aus, etwas nachzuerzählen, was sie vielleicht selbst in jüngster Zeit erlebt haben.
3. Beschreibe die Umgebung
Beschreibe nun, wo deine Hauptfigur lebt. Wie sieht es dort aus und wer lebt noch dort? Ist es kalt oder warm? Ist es eine Insel oder der Kühlschrank? Weißt du, es gibt sooo viele lustige Orte, wo man sein kann! Schau dir auch noch einmal die Symbole an: Könnte es sein, dass deine Hauptfigur(en) im Waschbecken wohnen? Oder in einem Baum? Im Sofa? Tja, glaub mir, das erhöht die Möglichkeiten, dass dir JETZT die beste Geschichte für deine Figur(en) in den Sinn kommt. Und wenn nicht? Dann frag wie immer deine Zuhörerinnen: „Was glaubt ihr, wie es sich in einem Sofa lebt?“
4. Beschreibe einen Prozess
Bleiben wir beim Sofa. Egal, wo du lebst, du musst etwas zu essen und zu trinken besorgen, du brauchst vielleicht Licht und außerdem auch mal frische Luft. Vielleicht bist du auch neugierig, was sich außerhalb deiner Polsterwelt befindet. Jetzt ist es einfach, den Prozess des Essenholens zu beschreiben, oder? Hast du als Hauptfigur ein menschliches Wesen gewählt, dann kannst du es zum Beispiel für das Leben im Sofa schrumpfen lassen. Ganz einfach. Oder – noch eine Idee: deine Hauptfigur fragt sich, warum sie im Sofa ständig Essensreste findet. Dann kannst du erzählen, wie das jeden Tag aufs Neue aussieht. Wie fühlt sich deine Hauptfigur und welche Lösung braucht es? Ich bin sicher, spätestens JETZT helfen dir deine Zuhörerinnen auf die Sprünge!
5. Lösungsfindung und Schluss
Du kannst ganz einfache Lösungen für das Geschichtenende finden. Ein Zauber wirkt übrigens immer. Im Falle unserer Sofageschichte gäbe es mehrere Ideen. Die Menschen könnten wieder größer werden oder die kleinen Wesen kennenlernen, die im Sofa wohnen. Und dann? Worauf einigen sie sich, wenn sie friedlich zusammenwohnen wollen?
Wenn du ältere Zuhörerinnen hast und merkst, dass sie noch mehr hören wollen, kannst du die erste Lösung als unbrauchbar definieren. Oder hat die vermeintliche Lösung etwa noch mehr angestellt und das Problem ist jetzt noch größer?
Wenn du das Gefühl hast, deine Zuhörerinnen werden ungeduldig, komme zu einem schnellen, simplen Schluss. Es ist wichtig, die Aufmerksamkeitsspanne deiner Kinder zu beachten und nicht überzustrapazieren. Wenn die Geschichte noch gar nicht fertig ist, du aber schon bemerkst, dass keiner mehr zuhört, kannst du die Geschichte beenden, indem du einen zweiten Teil zu einem ausgemachten Termin ankündigst.
In unserem Storchennest Kindergarten wird leidenschaftlich gebacken. Da steht so ein alter Minibackofen, in dem die Kinder selbstständig Kuchen oder Kekse backen, manchmal gibt es überbackenes Brot oder gebackenes Gemüse. Die Zeit des ersten Coronalockdowns habe ich dazu genutzt, die vorhandenen riesigen Backhandschuhe für Erwachsene gegen Kleinere auszutauschen. Dazu habe ich ein kostenloses Schnittmuster bei shesmile.de gefunden. Da mir diese Spielhandschuhe allerdings für den echten Gebrauch zu klein waren, habe ich das Schnittmuster etwas vergrößert.
Ich habe das Thermolam und den Außenhandschuh mit schrägen Nähten versteppt, weil das einfach gut zum Stoff passt und ich das auch gerne mache 🙂 Genauso gut kannst du ein anderes Muster wählen. Damit ich die Reihen auch gut nähen kann, habe ich sie vorher mit einem Stift markiert, den man anschließend wieder wegbügeln kann (ich nehm´ dafür einen frixion von pilot).
Die Steppnähte habe ich vorgezeichnet
Nachdem beide Aussenstoffe mit dem Thermolam gut vernäht habe, habe ich die beiden Teile rechts auf rechts aneinandergenäht. Ich habe auch eine Schlaufe eingenäht, damit ich den Handschuh später aufhängen kann. Auf dem Foto siehst du, dass ich es verabsäumt habe, überschüssige Vlies-und Stoffteile abzuschneiden. Naja, Genauigkeit ist nicht so mein Ding, aber wenn du alles ganz gerade haben möchtest, würde ich sagen, lieber noch mal zuschneiden und die beiden Teile größentechnisch abgleichen 🙂
So werden beide Aussenteile zusammengenäht
Danach ist der Innenhandschuh dran. Ab jetzt kannst du auf 2 verschiedene Arten weitermachen. Ich stelle dir hier beide Möglichkeiten vor, die auch ich ausprobiert habe.
1) Variante 1: Ohne Wendeöffnung, mit Schrägband:
Dabei werden die beiden Innenstoffe komplett aneinander genäht. Da das Innenteil etwas kleiner sein sollte als das Aussenteil, kannst du ruhig großzügig rundherum nähen. Ich habe den Innenhandschuh später auch nochmal verkleinert.
Der Innenhandschuh wird komplett zugenäht
Den Innenhandschuh wird nun in den Aussenhandschuh gesteckt. Die Nahtzugabe habe ich weggeschnitten, damit sie nicht stört, wenn ich die beiden Teile ineinanderstecke. Anschließend habe ich das Schrägband am unteren Teil des Handschuhs mit Stecknadeln fixiert. Natürlich kann man dafür auch Stoffkleber nehmen.
Ich habe das Schrägband mit Nadeln fixiert
Danach noch mit dem passenden Nähgarn eine Rundumnaht, und fertig ist das gute Stück! Am Foto sieht man noch die lila Markierungen für die Steppnähte. Die werden einfach rausgebügelt!
Backhandschuh für Kinder mit Schrägbandabschluss
2) Variante 2: mit Wendeöffnung
Wenn du so gar nicht mit Schrägbändern kannst oder du gerade keines zu Hause hast: kein Problem, dafür gibt es die Wendevariante. Nachdem ich beide Varianten ausprobiert habe, kann ich sagen, dass ich die Wendevariante weit aufwändiger und komplizierter finde!
Dafür wird das Innenteil des Handschuhs nicht ganz zusammengenäht, sondern eine Öffnung von ca. 7-10 Zentimetern gelassen. Die sollte nicht zu klein geraten, da sonst der dicke Handschuh nicht durchgeht. Vor und nach der Öffnung vernähe ich immer doppelt vor und zurück, damit die Naht beim Wenden nicht reißt.
Hier werden 10 cm frei gelassen
Jetzt wird der Innenhandschuh umgedreht und rechts auf rechts in den Aussenhandschuh gesteckt. Die Unterseite wird nun einmal rundherum geschlossen.
An der Unterseite einmal rundherum nähen
Wenn das geschehen ist, wird gewendet. Dafür holst du die Innenseite des Handschuhs heraus und steckst einmal das Außenteil durch die Wendeöffnung.
Diese Öffnung habe ich ganz unkompliziert mit der Maschine geschlossen. Natürlich gibt es auch die feinere Variante des händischen Matratzenstichs, aber ganz ehrlich, diese Öffnung wird nie jemand zu Gesicht bekommen. Und so sieht mein fertiger Handschuh nach der Wendemethode aus.
Backhandschuh für Kinder
Tatsächlich gefällt mir das Ergebnis mit dem Schrägband viel besser und es ist auch einfacher zu nähen. Wie gesagt, bin ich keine Genauigkeitsfee, das könnt ihr wohl gut erkennen am obrigen Foto 🙂
„Wie heißt heute die Schlussgeschichte?“ – diese Frage stellen die Kinder täglich dem zuständigen Begleiter.
Jeden Tag wird bei uns im Storchennest eine Geschichte frei erzählt. Eine Geschichte, die ich schon mal gelesen habe, oder die ich mir vorab ausgedacht habe. Oder eine, die im Moment des Erzählens entsteht. Das sind meine Lieblingsgeschichten. Auch heute hab ich mir keine spezielle Geschichte ausgedacht, also frage ich die Kinder, wie sie heißen soll.
„Na ich weiß das nicht, das musst schon du wissen!“ bekomme ich als Antwort von einem Sechsjährigen. Da frage ich meine Kollegin, ob sie vielleicht weiß, wie denn heute die Geschichte heißt. Aber auch sie weiß es nicht. Die Mama, die gerade die Jause richtet, hat auch keine Ahnung.
2 Stunden später wieder die gleiche Frage, diesmal von einem Dreiergespann. „Hmm, ich glaube, heute müsst ihr mir helfen. Ich weiß immer noch nicht, wie sie heißen soll…“ – „Das Monsterkaka!“ ruft da eine Mäuschenstimme im Hintergrund. „Aha, Monsterkaka also. Eine Kaka Geschichte mag ich heute nicht erzählen…“ – „Das Nudelkaka!“ sagt die Stimme neben dem Mäuschen. „Hmm, ich könnte die Geschichte vom Nudelmonster erzählen!“ – „JAAAAAAA!“
Gute-Nacht-Geschichten, Schlussgeschichten, Zwischendurchgeschichten,…zum Kuscheln und Entspannen, als Ritual, als Beziehungsangebot – eine Möglichkeit, deine Zeit mit deinem Kind sinnvoll zu verbringen. Wie du eine Geschichte einfach so aus dem Ärmel schüttelst? – Schritt für Schritt 🙂
Es gibt mehrere Möglichkeiten, Geschichten frei zu erzählen oder welche selbst zu erfinden. Das ist der Weg, den ich selbst gegangen bin. Vom Erzählen, was ich sehe, bis zum Erzählen einer Geschichte, von der ich nur den Titel kenne!
1) Geschichten mit Wimmelbüchern erzählen
Kennst du die * Wimmelbücher von Rotraud Susanne Berner? Jedes Buch erzählt eine Geschichte von verschiedenen Menschen in Wimmlingen. Mit diesen Büchern ist es ganz einfach, die Geschichten, die man sehen kann, zu erzählen. Beschreibe die Bilder, die du siehst, erfinde vielleicht Gerüche dazu, oder versuche, Vermutungen anzustellen. Wohin will dieser Fahrgast fahren? Was macht Niko, wenn er wieder mal abhaut? Nehmt euch doch einfach ein Buch zur Hand, betrachtet gemeinsam die Bilder, mal schauen, was passiert. Die Wimmelbücher gibt es für alle Jahreszeiten und auch ein Nachtwimmelbuch!
Wimmelbücher eignen sich besonders gut zum Geschichten erzählen.
2) Gegenstände und Symbole für deine Geschichte
Das Spiel „Erzähl mir was…“ von Haba haben wir oft mit unseren Kindern gespielt. Auf dem Tisch liegen verschiedene Kärtchen aus. Einer beginnt, eine Geschichte zu erzählen und verwendet irgendwann ein Wort, das auf einem Kärtchen vorkommt. Der Mitspieler, der das Symbolkärtchen als erster findet, erzählt weiter. Daraus sind meist Geschichten entstanden, die kaum einen roten Faden hatten. Den Kindern hat´s trotzdem immer gefallen!
Spiel „Erzähl mir was…“ von Haba
Genauso gut kannst du Bilder aus alten Büchern, Zeitschriften oder Katalogen ausschneiden und dir und deinen Zuhörern als Auswahl zur Verfügung stellen. Wieviele Bilder du verwenden sollst? Hmm, am besten, du probierst es aus. Hast du mit dem Apfel, der Unterhose und dem Wolf genug? Oder würde es dir helfen, noch einen Baum, eine Eule und einen Schneemann dabeizuhaben?
Eine andere schöne Möglichkeit sind alltägliche Gegenstände, die in einer Geschichte vorkommen. Geht doch mal das Inventar des Kinderzimmers oder der Küche durch und sucht euch 5 Gegenstände, die in der Geschichte mitspielen dürfen. Da könnte der Löffel mit Hilfe des Flugzeugs eine Reise antreten oder der Teddy wird von der vergesslichen Omama im Kühlschrank vergessen, wo ihm die Gurken ein Theater vorspielen, die Karotten hingegen ihn aber zur Weißglut treiben, weil…
Mit meinen Geschichtenwürfel gelingt die nächste Geschichte ganz leicht: Einfach würfeln oder würfeln lassen und schon kann es losgehen. Es gibt 5 Würfel zur Auswahl, von denen du natürlich auch weniger verwenden kannst.
Eine schöne Idee sind auch die Geschichtensteine: sammle schöne Steine und male ein paar Symbole drauf, die du gerne in deinen Geschichten verwendest. Die Steine können ausgesucht oder ganz geheimnisvoll aus einem Sack gezogen werden.
3) Hol dir Ideen von deinen Zuhörer:innen!
Hat die Geschichte wie in meinem oben genannten Fall nur einen Titel, ist es noch interessanter. Was löst er in mir aus? Oder in dir? Der Titel gibt mir schon mal die Möglichkeit, mir vorab Gedanken über den Verlauf der Geschichte zu machen. Einen roten Faden im Kopf spinnen, zu überlegen, wie beginnt sie und wie endet sie? Wenn der Titel der Geschichte „das Nudelmonster“ ist, gibt es unzählige Varianten von Geschichten. Je nach Erfahrungsschatz und Einfallsreichtum des Erzählers – und natürlich des kreativen Zuhörers.
Viele Kinder sind äußerst kreativ und erzählen gerne die Geschichte mit. Lass dich überraschen, welche Möglichkeiten die Figuren in deiner Geschichte haben, wenn du einfach die Kinder danach fragst. Oder wenn du nicht weiter weißt, kannst du einfach fragen, was als nächstes passieren soll. Ich kann dir garantieren, deine Zuhörer kennen mindestens eine Lösung.
Passe deine Geschichte dem Entwicklungsstand deines Kindes an
Wie alt ist das Kind, dem du eine Geschichte erzählen magst? Wie lange kann es aufmerksam dabeibleiben? Es gibt Zweijährige, die schon gerne einfachen Geschichten lauschen, aber auch Dreijährige, denen es schwer fällt, länger aufmerksam zu sein. Passe die Länge und den Inhalt der Geschichte deinem Gegenüber an. Kleinkinder mögen Geschichten aus dem Alltag, etwas, das sie selbst schon erlebt haben. Vielleicht magst du vom Teddy erzählen, der heute mit der Mama beim Arzt war? Oder von deinem Kind, wie es am Spielplatz Sandkuchen gebacken hat und dabei unbedingt die Kuchenform von seinem Freund gebraucht hat?
Für Kindergartenkinder dürfen es neben Alltäglichem aber auch gerne phantastische Wesen, magische Vorgänge und verrückte Welten sein. Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Geschwister mal beim Zähneputzen schrumpfen und auf einmal im Waschbecken landen? Oder die Henne Berta mit der Krähe Krax die Flügel tauscht? Tja, ich denke, da fällt dir gleich was dazu ein, oder?
Wenn die Kinder älter werden, dürfen die Geschichten auch etwas verwobener sein. Mehrere Handlungsstränge können gleichzeitig passieren, es darf wirklich spannend werden und auch länger dauern. Und denk daran: es reicht, wenn die Geschichte etwas ALLTÄGLICHES ist! Es reicht auch Siebenjährigen, wenn du ihnen vom Arztbesuch erzählst! (wobei, da könnte schon der Gazeverband etwas Unsinn treiben, oder?)
Für jede Geschichte kannst du dir (mit Hilfe deines Gegenübers) eine Hauptfigur überlegen – wie sieht sie aus, wie spricht sie, was macht sie gerne, wo wohnt sie? Kinder lieben auch lustige Namen. In unserem Fall könnte das Leo Löffelchen sein oder wie wärs mit Herrn Nudelkopf? Weiters kannst du überlegen, wie die nähere Umgebung in der Geschichte aussieht. Ist es eine Welt wie unsere, oder ein Meeresstrand, ein verwunschener Wald oder die Suppenschüssel? Wie riecht es in deiner Geschichte? Ist es kalt oder warm? Und welche Geräusche kann man hören? – nun, je älter die Kinder sind, desto detailreicher dürfen diese Beschreibungen sein. Keine Sorge, du merkst sofort am Gesichtsausdruck deiner Zuhörer, ob du sie gerade über-oder unterforderst oder genau den richtigen Nerv getroffen hast 😉
Wichtig ist, dass die Geschichte gut ausgeht. Der böse Zauberer wacht aus einem Traum auf oder ein Zauberspruch macht alles wieder gut? Wie auch immer, das Ende sollte eine sanfte Möglichkeit bieten, wieder langsam aber sicher im Hier und Jetzt anzukommen.
Einfach mal anfangen – die Erfahrung kommt von selbst!
So viele Ideen haben wir jetzt gesammelt und jetzt geht es los mit dem Erzählen. Macht es euch bequem und gemütlich, schalte dein Handy aus und sorge dafür, dass ihr möglichst nicht gestört werdet. Überlege dir, wie lange du Zeit zum Erzählen hast. Die verfügbare Zeit bestimmt die Handlung und Intensität deiner Geschichte.
Erzähle, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Mach dir bitte keine Gedanken über Grammatik, Satzbau oder Umgangssprache. Eine frei erzählte Geschichte ist nicht mit einem Text in einem Buch vergleichbar. Dein Blick, deine Emotionen, dein Ausdruck, deine Mimik erzählen die Geschichte mit dir. Vieles musst du deshalb auch gar nicht erklären, denn das macht das Erzählen von selbst. Sprich deine:n Zuhörer:in ruhig persönlich an: „Wisst ihr, was dann passiert ist?“ oder „was glaubst du, ist der Löffel nach Afrika oder in die Antarktis geflogen?“
So, ich denke, jetzt hast so große Lust, deinem/n Kind/ern eine Geschichte zu erzählen, dass du gar nicht mehr warten magst, oder? Na dann mal los, es kann ja eigentlich nichts passieren, ausser…hoppla…hast du das gesehen?
Die mit einem * gekennzeichneten Links sind Amazon-Affiliate-Links. Wenn du über diesen Link etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. An deinem Preis ändert sich dabei nichts. Ich sehe nicht, wer was kauft.
Ich werde oft gefragt, woher ich die Idee mit dem SandSpielRaum habe. In Wirklichkeit hatte die Idee ja Ute Strub, eine auf vielen Seminaren mich immer wieder inspirierende Persönlichkeit. Sie hat in Berlin das „Strandgut“ eröffnet. Das Strandgut besteht aus zwei Räumen, einer voll mit Küchenutensilien und Sand zum Kochen, Sieben, Mahlen, Schütten…der andere bestückt mit offenen Spielmaterialien und Stroh. Das Strandgut ist öffentlich zugänglich und wird durch Spenden finanziert. Jeder, der das Strandgut besucht, darf eine Spende im Strumpf hinterlassen.
Ein Strandgut für Kaisersdorf
Als ich vor einigen Jahren bei einer Pikler-Tagung in Salzburg Utes Vortrag vom Strandgut gehört habe, war ich von der Idee so angetan, dass ich überlegt habe, wie ich sie am besten umsetzen könnte. Also habe ich den großen Flohmarkt in Eisenstadt besucht und feine Utensilien eingekauft: Emaille-Schüsseln, Kupferschüsseln, Siebe, Schöpfer, etc…
diverse Küchenutensilien dienen als SpielmaterialDie Sandwanne lädt zum Zeichnen und Schreiben ein. Hier entstehen Bilder mit Muscheln und Glasperlen.
Mein SpielRaum eignet sich hervorragend für das Spiel mit dem feinen weißen Rieselsand. Der Holzboden ist leicht aufgekehrt. Zwischendurch habe ich einige Jahre Tücher aufgelegt, damit der Holzboden vom Sand nicht abgeschliffen wird. Da ich mittlerweile keine Helferlein mehr habe, lasse ich das auch sein und wir spielen einfach auf dem Holzboden.