Wie Alexander Salamander zu seinem Namen, einem Boot und einem Keks kam

Wie Alexander Salamander zu seinem Namen, einem Boot und einem Keks kam

„Kannst du noch mein Schnitzmesser einpacken?“ fragte Emil seinen Papa, der gerade dabei war, die Äpfel in den Rucksack zu legen. „Und Papa, du weißt schon, dass wir auch Kekse für unseren Ausflug brauchen, oder?“ „Kekse?“ fragte Papa.

„Ja, denn ohne Kekse kann ich nämlich nicht so lange Rad fahren. Und stell dir vor, wir müssten einfach umdrehen, weil ich vor lauter Hunger vom Rad falle!“ antwortete Emil.

„Also gut, dann auch Kekse“ sagte Papa und schmunzelte ein wenig.

Papa packte also 2 Äpfel, eine kleine Packung Butterkekse und das Schnitzmesser in den Rucksack. „Noch etwas?“ fragte er Emil, doch dieser schüttelte den Kopf und meinte: „Nein, ich glaube, wir können jetzt los.“

Es war Sonntag. Und Mama sagt immer, dass Sonntage für Ausflüge da waren. Aber Mama war sehr beschäftigt mit der kleinen Lina, die ständig gefüttert werden wollte. „Lange Ausflüge sind für Lina noch zu anstrengend,“ sagte Mama.

Und deshalb machten sich Papa und Emil heute alleine auf den Weg in den Wald mit den Fahrrädern. Das Wetter war wunderbar sonnig, aber nicht zu heiß. Emil freute sich schon die ganze Woche auf diesen Tag. Er liebte Ausflüge mit seinem Papa. Seine kleine Schwester Lina blieb bei Mama und er hatte seinen Papa ganz für sich alleine.

Die beiden holten die Räder aus der Garage und machten sich auf den Weg. Sie fuhren die Feldstraße entlang und bogen dann in den Waldweg ein. Der Weg war ein wenig anstrengend. Immer wieder ging es auf und ab. Emil machte das nichts aus, er war ein schneller Fahrradfahrer. Aber Papa ging immer wieder die Puste aus und dann rief er: „Emil, nicht so schnell, warte doch auf mich!“

Emil wartete immer auf seinen Papa. Denn immerhin wollte er ja nicht alleine Rad fahren, sondern gemeinsam mit ihm. Und als er wieder einmal auf seinen Papa wartete, fiel Emil ein, dass ganz schön durstig war. „Papa, ich hab´ Durst!“ „Ojeh, ich fürchte, wir haben kein Wasser eingepackt!“ antwortete Papa. Sicherheitshalber durchsuchter er dennoch den Rucksack. „Nein, definitiv kein Wasser.“

„Und was machen wir jetzt?“ fragte Emil.

„Sollen wir umdrehen und nach Hause radeln?“ fragte Papa Emil.

„Nein.“

„Magst du einen Apfel essen gegen den Durst?“ fragte Papa Emil.

„Nein.“

„Dann müssen wir eben Wasser suchen. Ich bin sicher, es gibt da hinten einen kleinen Bach, dort können wir hinradeln.“ „Gute Idee!“ rief Emil, setzte sich wieder auf sein Fahrrad und trat in die Pedale.

Tatsächlich fanden sie nach einigen Minuten einen kleinen Bachlauf unter dem Waldweg. Sie stellten die Räder auf dem Weg ab und stiegen die steile Böschung zum Wasser hinab.

Unten angekommen, formte Emil seine Hände zu einer kleinen Schüssel und fing damit das Wasser ein, um es zu trinken. „Ah, lecker, aber urkalt!“ rief Emil Papa zu. Papa setzte sich auf einen umgeschnittenen Baumstamm und nahm einen Apfel aus dem Rucksack. „Jetzt will ich auch einen Apfel“, sagte Emil und biss gleich herzhaft hinein. Mit dem Apfel in der Hand ging er den Bach entlang.

Im Wasser lagen viele Steine, große, kleine, runde und eckige. An manchen Stellen war das Wasser ein bisschen tiefer und weiter drüben war sogar ein kleiner Wasserfall. Dort ging Emil hin und sah sich die Steine ganz genau an. Riesengroße Steine bildeten das Ufer. Sie lagen übereinander und manche waren mit Moos bewachsen.

Emil zog seine Schuhe aus, dann die Socken, krempelte sich die Hosenbeine hoch und stieg ins Wasser. Ah, wie kalt das war! Erst war es so kalt, dass er am liebsten schreien wollte, aber dann, nach kurzer Zeit schon, gewöhnte er sich an die Kälte und watete weiter durch den Bach.

Feuersalamander unter einem Stein am Bach

Und hier, ganz plötzlich, sah er, dass sich etwas zwischen den Steinen bewegte. Er blieb stehen und rührte sich nicht. Und jetzt konnte er ihn sehen! Ein Feuersalamander spazierte zwischen den Steinen am Ufer des Wassers entlang. Er war schwarz und hatte kleine gelbe Flecken auf seinem Körper. Und klein war er. Ganz langsam bewegte er sich. Ein Schritt nach dem anderen.

„Papa!“ rief Emil. „Schau mal, ein Salamander!“ Schnell wie der Blitz war Papa bei ihm, aber er konnte den Salamander nicht sehen. „Wo?“ fragte Papa.

„Na da, zwischen den Steinen!“

Langsam, ganz langsam bewegte sich der Salamander und verschwand schließlich unter einem großen Stein, sodass ihn Emil nicht mehr sehen konnte.

Er setzte sich ans Ufer auf einen Stein, aß seinen Apfel und wartete, bis der Salamander wieder herauskam. Aber der kam nicht wieder. Und Emil konnte ihn auch gar nicht mehr sehen. Was wohl da unter den Steinen war?

Waren da seine Salamanderfreunde und seine Salamanderfamilie?

„Ich werde ihn Alexander nennen. Alexander reimt sich auf Salamander. Das gefällt mir.“

Emil holte sein Schnitzmesser aus dem Rucksack und begann damit, einem Stock die Rinde ab zu schnitzen. Währenddessen saß Papa auf seinem Baumstamm und sah dem Wasser beim Fließen zu.

„Ich könnte Ewigkeiten dem Wasser beim Fließen zusehen.“ meinte Papa.

„Ja, das ist schön.“ antwortete Emil und schnitzte weiter.

Als er die Rinde von dem kleinen Stock geschnitzt hatte, entdeckte er ein größeres Stück Holz. In dieses Stück bohrte er mit seinem Messer ein kleines Loch, gerade so groß, dass der Stock hineinpasste. Er steckte den Stock in das Holz, legte es ins Wasser, gab ihm einen kleinen Schubs und flüsterte: „Das ist für dich, Alexander Salamander, falls du mal ein Boot brauchst.“

Emils Boot strandete am Ufer auf einem kleinen Stein.

„Kann ich jetzt die Kekse essen, Papa?“ Emil ging zu seinem Papa und setzte sich neben ihn. Da saßen sie, aßen Kekse und schauten gemeinsam ins Wasser. „Schön ist das. Gemeinsam mit dir hier zu sitzen und ins Wasser zu schauen“, sagte Papa.

„Ja, schön ist das“, meinte Emil. „Ich wünsche mir, dass Alexander noch einmal hervorkommt.“

„Ja, das wäre auch schön“, antwortete Papa.

Emil schnappte seine Kekse und watete noch einmal durchs kalte Wasser. Er brach seinen Keks entzwei und legte das größere Stück auf sein Boot. „Das ist für dich, Alexander Salamander, falls du mal einen Keks brauchst. Damit du nicht vor Hunger aus dem Boot fällst“, flüsterte er.

Dann hockte er sich wieder in die Nähe des Steins, unter dem er den Feuersalamander zum letzten Mal gesehen hatte.

Und nur einen klitzekleinen Moment später, kam der Feuersalamander wieder aus seinem Versteck hervor. Langsam, ganz langsam bewegte er sich vorwärts. Er kroch über die Steine und wanderte dorthin, wo Emils Boot lag.

Und jetzt stell dir vor, was Alexander gemacht hat! Er kroch ganz langsam auf das Boot, legte sich auf den Keks, sah Emil an und flüsterte: „Danke!“

Emils Augen wurden riesengroß, er wusste nicht, ob er träumte oder nicht. Hat sich gerade ein Feuersalamander bei ihm bedankt?

Alexander Salamander begann, ein wenig mit seinen Füßen zu paddeln und das Boot in die Mitte des Baches zu lenken. Dort zog ihn die Strömung mit, er flitzte mit seinem Boot den kleinen Wasserfall hinab und fuhr davon.

Und Emil? Der konnte es immer noch nicht glauben. Er lief zu seinem Papa und erzählte ihm sehr aufgeregt, dass gerade ein Feuersalamander mit seinem Boot davongefahren ist. „Und weißt du was, Papa? Er hat zu mir Danke gesagt! Stell dir vor, er hat sich bei mir bedankt für das Boot und den Keks!“

„Ach ja? Ich wusste schon immer, dass Salamander sehr nette Wesen sind. Vielleicht ein bisschen schüchtern, aber höflich.“

Das war die Geschichte, wie der Feuersalamander Alexander zu seinem Namen, einem Boot und einem Keks kam. Du willst wissen, wo Alexander hingefahren ist? Na, er hat eine Waldreise gemacht, denn davon hat er immer schon geträumt. Er hat unzählige wunderbare Plätze gesehen und viele andere Wesen kennengelernt. Und weißt du, was er noch gemacht hat? Auf seiner Reise hat er erfahren, dass alle Boote und Schiffe einen Namen haben sollten. Also hat er seinem Boot auch einen Namen gegeben: Emil

Prinzessin Fürchterlich und Herr Rosarot – eine Geschichte für Kinder

Prinzessin Fürchterlich und Herr Rosarot – eine Geschichte für Kinder

Es war einmal eine Königin, die „Prinzessin Fürchterlich“ genannt wurde. Wieso fragst du?

Weil sie immer ein grantiges Gesicht machte. Sie hatte dicke Furchen auf ihrer Stirn, ihre Mundwinkel wurden auf beiden Seiten weit runtergezogen und es gelang ihr nur selten und mit größter Konzentration, ein freundliches Gesicht zu machen.

Schon als kleines Mädchen war sie stets schlecht gelaunt. Und deshalb wurde sie von allen Dienern, Bauern und sogar von ihren Eltern und Geschwistern „Prinzessin Fürchterlich“ genannt.

Was aber weit schlimmer als ihr grantiges Gesicht war: dass sie kaum einen freundlichen Satz sagen konnte. Es kam immer nur Geschrei und Geschimpfe aus ihrem Mund. Dabei war es aber nicht so, dass sie nicht freundlich sein wollte. Oft stand sie stundenlang vor ihrem Spiegel, übte freundliche Gesichter und höfliche Sätze. Eines Tages wollte sie zu ihrem Volk sprechen. Sie wollte sich bei den Bauern für die gute Ernte bedanken, sie wollte dem Bäcker sagen, wie sehr sie sein Brot liebte und ihrem Schneider erzählen, welch Freude sie mit ihrem neuen Kleid hatte.

Aber trotz des vielen Übens passierte folgendes: Als sie den Mund öffnete um zu sprechen, schrie sie: „Also wirklich, ihr dummes Bauernvolk, könnt ihr euch nicht ein bisschen mehr bemühen? Und auch der Bäcker sollte sich einmal um ein wirklich gutes Rezept kümmern. Außerdem muss ich dem Schneider noch sagen, dass er gepfuscht hat, wie man nur pfuschen kann. Feinste Seide an meinem Kleid? Ha, dass ich nicht lache, ihr Hosenfurzer!“

Und gleich nach dem Geschimpfe schlug sie sich die Hand vor den Mund und sagte: „Tut mir leid, es ist schon wieder passiert!“

Oft musste sie auch weinen, denn wirklich, sie wollte keine Prinzessin Fürchterlich mehr sein.

Und die Bauern und der Schneider und der Bäcker? Sie wollten nicht beschimpft werden. Deshalb mochten sie die Königin auch nicht und nannten sie weiter „Prinzessin Fürchterlich“. Dass sie sich jedes Mal danach entschuldigte, war für sie uninteressant. Sie schimpfte ja dennoch gleich wieder.

Ihr Mann hingegen, der König, wurde König Lieblich genannt. Er war stets freundlich, verständnisvoll und man hörte ihn nie schreien oder schimpfen. Er wollte so gerne seiner Königin helfen, wusste aber leider nicht mehr weiter. Jeden Tag übte er mit ihr, freundliche Worte zu sprechen. Er stand mit ihr vor dem Spiegel, er lobte und motivierte sie, aber es nützte alles nichts. Prinzessin Fürchterlich war einfach ein hoffnungsloser Fall.

Eines Tages kam ein besonderer Mann in das Schloss: Herr Rosarot. Er kam in einer rosaroten Kutsche, die von vier weißen Pferden gezogen wurde. Die Räder der Kutsche waren pink und die Rahmen der Türen violett. Herr Rosarot hatte einen rosa Anzug an, sein Zylinder war pink, sein Hemd strahlend weiß. Seine Schuhe waren vorne spitz und natürlich auch rosa. Die Knöpfe seines Anzugs glitzerten weiß und silbern. Man könnte jetzt glauben, sein Anblick raubte einem den Atem, aber so war es dann doch nicht. Herr Rosarot war sehr klein gewachsen und er war alt, ein wenig runzelig, aber er lächelte. In einer Hand hielt er einen rosaroten Stock, auf dem ein winziger rosaroter Drache saß.

„Ich bin gekommen, um Prinzessin Fürchterlich zu sehen“, sagte er zum König. „Ich bin der Mann, der ihr helfen kann…hmhmhm.“ (Das hmhmhm zum Schluss sagte er ganz leise und langsam, wie ein alter Mann das eben tut)

Er reichte der Königin ein winziges Fläschchen mit einem rosa Zaubertrank und sagte zu ihr: „Von diesem Fläschchen musst du jeden Morgen einen kleinen Schluck machen, dann wird dein Problem gelöst sein.“

Am nächsten Morgen nahm Prinzessin Fürchterlich also einen kleinen Schluck von dem Zaubertrank und machte sich auf den Weg zum Frühstück. Der Tisch war wunderbar gedeckt, es gab lauter rosa und lila Dinge zum Essen: Erdbeertorte, Heidelbeerjoghurt, Pflaumenkompott, Himbeereis, Rote-Rüben-Suppe und Radieschensalat.

Ein Diener stand vor der Türe und begrüßte sie ernst: „Guten Morgen, Prinzessin Fürchterlich!“

Sie wollte gerade sagen, wie schön sie den Frühstückstisch fand, aber stattdessen schrie sie: „Ach du meine Güte, wer hat das denn gemacht? Ich sollte euch Nudelköpfe in den Fluss werfen lassen!“

Wieder schlug sie sich die Hand vor den Mund und entschuldigte sich, wie sie es gewohnt war: „Tut mir leid, es ist schon wieder passiert!“ Sie beschloss, für heute lieber gar nichts mehr zu sagen und ging stattdessen zu Herrn Rosarot.

Traurig erzählte sie ihm, dass sein Trank nicht gewirkt hat. Herr Rosarot grübelte kurz (dabei strich er dreimal mit seiner Hand durch seinen rosa Kinnbart) und reichte der Prinzessin ein rosarotes Haarband: „Du musst am Morgen zuerst den Zaubertrank trinken, danach flechtest du dieses Band in dein Haar. Dann wird dein Problem gelöst sein!“ Am nächsten Morgen nahm Prinzessin Fürchterlich also einen kleinen Schuck von dem Zaubertrank und flocht das Band in ihre Haare. Danach machte sie sich auf den Weg zum Frühstück. Da begegneten ihr ein Stallbursche und ein Zimmermädchen. Beide senkten den Kopf und begrüßten sie mit ernsten Worten: „Guten Morgen, Prinzessin Fürchterlich!“

Auch diesmal war der Tisch wieder wunderbar gedeckt. Sie wollte gerade sagen, wie schön sie das alles fand, aber sie schrie: „Oh mein Gott, womit habe ich das verdient! Lauter Pfurzpflaumen um mich herum!“

Wieder schlug sie sich die Hand vor den Mund und entschuldigte sich, wie sie es gewohnt war: „Tut mir leid, es ist schon wieder passiert!“ Sie beschloss, für heute lieber gar nichts mehr zu sagen und ging stattdessen zu Herrn Rosarot.

Herr Rosarot grübelte wieder, diesmal etwas länger und dabei sagte er immer wieder: „hmhmhmhm“, so wie alte Männer es eben tun. „Da hilft nur noch eins!“ Er flüsterte dem porzellanenen Drachen auf seinem Stock etwas zu, reichte ihn der Königin und sagte: „Mit diesem Stock musst du morgens aufstehen. Es ist wichtig, dass du morgen mit dem linken Fuß aufstehst und danach mit Hilfe des Stockes ins Badezimmer hüpfst. Dann wird dein Problem gelöst sein!“

Herr Rosarot ging aber auch zum König und ließ den Schneider, den Bäcker, die Köchin und alle anderen Menschen, die noch im und außerhalb vom Schloss wohnten, zusammenkommen. Zu dieser versammelten Menge sagte er, so laut er sprechen konnte: „Ab heute wird niemand mehr die Königin Prinzessin Fürchterlich nennen! Ab heute ist es strengstens verboten, jemals wieder diesen Namen zu benutzen. Ihr werdet sie ab sofort nur noch Königin Lieblich nennen!“

Am nächsten Morgen wachte die Königin auf, erinnerte sich an den Stock, nahm ihn und versuchte damit aufzustehen. Da der Stock so klein war, musste sie sich tief hinunterbeugen und es war gar nicht so leicht, so aufzustehen. Die Königin musste ein bisschen lachen, weil sie schon lange keine solchen akrobatischen Übungen mehr gemacht hat. Sie setzte ihren linken Fuß als erstes auf den Boden, stützte sich dann auf den winzigen Stock und hüpfte damit ins Badezimmer. Das fand sie so lustig, dass sie gleich noch ein bisschen weiter hüpfte. Sie stützte sich mit beiden Händen auf den Stock und hüpfte einmal im Kreis herum. Da öffnete der Drache sein winziges Maul und spuckte ihr feines rosa glitzerndes Pulver ins Gesicht. Das Pulver kitzelte die Königin in der Nase, weshalb sie etwa 36 Mal niesen musste. Das brachte sie dazu, noch mehr zu lachen. Sie musste so viel lachen und niesen, dass sie kaum mehr aufhören konnte. Vor lauter Lachen vergaß sie sogar auf ihren rosa Zaubertrank.

So gut gelaunt und fröhlich machte sie sich auf den Weg zum Frühstück. Dabei begegnete sie dem Stallburschen der sie lächelnd begrüßte. Er nahm den Hut von seinem Kopf, verbeugte sich und sagte: „Einen schönen guten Morgen, meine liebe Königin Lieblich!“

Und dann tanzte sie zum Frühstückstisch, immer noch lachend. Als sie die wunderbaren Speisen sah, sagte sie: „Oh, wie schön das heute wieder aussieht!“

Herr Rosarot, Prinz Lieblich und die Dienerschaft konnten es gar nicht glauben. Sie lachten mit ihrer Prinzessin, klatschten in die Hände und freuten sich. Der Tag, an dem Prinzessin Fürchterlich zur Königin Lieblich wurde, wurde vom König zum Feiertag erklärt. Bevor Herr Rosarot wieder abreiste, schenkte er ihr seinen Stock und empfahl ihr, von nun an jeden Tag auf diese Weise aufzustehen.

Und so ist es immer noch. Königin Lieblich feiert heute ihren 96. Geburtstag und sie steht immer noch mit dem winzigen Stock und dem linken Bein auf. Glaub mir, jeden Morgen hüpft sie wie eh und je damit ins Badezimmer und hat immer noch jede Menge Spaß daran!

Wenn du den Zylinder von Herrn Rosarot nachmalen magst, findest du ihn hier!

Rosa geht spazieren – eine Geschichte für Kinder

Rosa geht spazieren – eine Geschichte für Kinder

Rosa und Berta leben im Storchennest. Das Storchennest ist ein Ort, an dem viele kleine und große Menschen ihre Vormittage verbringen. Das Storchennest hat auch ein richtiges Storchennest am Rauchfang, aber da wohnt kein Storch drin. Im Garten gibt es zwei Türen, die fest verriegelt sind, damit die Kinder nicht davonlaufen können. Oder die Hühner. Nur sehr große Menschen können die Riegel problemlos öffnen.

Jeden Morgen sitzen Rosa und Berta auf dem Geländer vor dem Kellerabgang. Dort putzen sie ihr Gefieder und schauen den Kindern beim Spielen zu.

Sie freuen sich jeden Tag darauf, dass die Kinder endlich zum Spielen in den Garten kommen. Denn dann kann es sein, dass sie was von ihren Jausenbroten abkriegen. Die besten Brote haben die Burschen, die so gerne Fußball spielen. Da gibt´s manchmal auch Gurke oder Karotte dazu.

Doch die Vormittage vergehen immer sehr schnell für Rosa. Und dann, wenn das letzte Kind aus dem Tor gegangen ist, wird es ruhig im Storchennest. Dann sagt Berta jedes Mal: „Endlich herrscht hier wieder Ruhe! Wenn alle Kinder draußen spielen, wird mir das echt zu viel!“

Doch Rosa findet das nicht. „Ich finde das langweilig, wenn alle Kinder nach Hause gegangen sind. Dann ist es mir einfach zu still.“ Seufzend hockt sich Rosa ins Gras und schaut beim großen Gittertor hinaus.

Auf der Straße fährt ein Auto vorbei, ein Mann geht mit seinem Hund spazieren und Kinder haben in der Allee hinter dem Tor einen Verkaufsstand aufgebaut.

„Ach, so gerne möchte ich mal da raus gehen. Schau mal, Berta, da draußen sind Kinder!“ „Du willst was, bitteschön?“ fragt Berta ganz empört. „Na, da raus will ich gehen, ein bisschen spazieren, wie dieser Mann da. Es schaut so interessant aus. Die Kinder da draußen haben bestimmt auch was Leckeres zum Essen dabei!“

Berta schüttelt den Kopf und läuft ganz aufgeregt neben Rosa umher. „Nein, nein, nein, das darfst du nicht, auf keinen Fall, nein! Das ist viiiieeel zu gefährlich!“

Ganz leise, so, dass Berta sie nicht hören kann, antwortet sie darauf: „Du wirst schon sehen, eines Tages werde ich da raus gehen. Eines Tages wird jemand die Türe offenlassen und dann geh ich spazieren!“

Und weißt du was? Das ist tatsächlich passiert!

An einem sehr warmen Tag im April vergisst tatsächlich jemand, den Riegel zuzumachen und das Tor zur Wiese steht sperrangelweit offen! Und davor steht sie nun, die Rosa, die schon so oft gesagt hat, dass sie da raus gehen wird.

Und langsam, ganz langsam setzt sie sich in Bewegung. Sie schaut sich um und entdeckt auch gleich was zum Aufpicken und Graben. Sie tut draußen das, was Hühner eben so machen. Sei pickt und scharrt, sie pickt und scharrt. Und dabei wandert sie immer weiter, die ganze Allee entlang, an der Bushaltestelle vorbei, überquert die Straße (sehr eigenartig, dieser Weg, so hart und unangenehm spürt sich das auf den Krallen an) und findet gottseidank wieder eine Wiese, auf der sie weitere Köstlichkeiten aller Art findet.

Doch plötzlich spricht sie jemand von oben herab mit einer sehr tiefen Stimme an: „Nanu, wer bist denn du?“ Rosa schaut hoch hinauf und antwortet: „Ich bin die Rosa, und wer bist du?“ „Ich bin Pablo, ich bin ein Pferd!“ Pablos Fell ist grau und hat lauter schwarze Punkte darin. Er hat eine lange graue Mähne und ist wirklich riesig groß, findet Rosa.

„Kannst du fliegen?“ fragst sie ihn. „Nein, aber ich kann sehr schnell laufen! Und ich trage die Menschen auf meinem Rücken.“

„Trägst du auch Hühner auf dem Rücken?“ fragt Rosa. „Das hab´ ich noch nie gemacht, aber klar, warum nicht?“ Rosa setzt zum Sprung an, öffnet ihre Flügel und flattert auf Pablos Rücken. Und sobald sie oben sitzt, setzt sich Pablo in Bewegung. „Es schaukelt, das ist sehr lustig!“ ruft Rosa Pablo zu.

 „Magst du es noch schneller?“ fragt Pablo. „Ja, klar!“ ruft Rosa zurück. Da beginnt Pablo zu laufen. Immer schneller, bis er so richtig durch seine Koppel galoppiert! Rosa krallt sich tief in Pablos Fell. Immer wilder schaukelt sie auf seinem Rücken. Doch bald findet sie ihr Gleichgewicht. „Wohooo!“ ruft Rosa „das ist spitzenklasse!“

Nach 3 Runden wildem Galopp wird Pablo wieder langsamer und kommt beim Zaun zum Stehen. Rosa flattert wieder auf die Wiese. Sie fühlt sich ein bisschen schwindelig, aber gleichzeitig total wach und lustig. „Vielen Dank, Pablo. Ich denke, ich geh´ jetzt mal nach Hause. Berta wird sich schon Sorgen machen!“

„Na dann. Auf Wiedersehen, liebe Rosa. Es hat mich sehr gefreut, dich kennenzulernen! Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder?“

„Au ja!“ antwortet Rosa. „Ich komme dich bestimmt bald wieder besuchen! Aber jetzt muss ich los! Auf Wiedersehen!“

Rosa macht sich auf den Weg. Sie geht einfach immer weiter geradeaus. Aber ob sie aus dieser Richtung gekommen ist? Irgendwie kann sie sich auf einmal an gar nichts erinnern. Dieser Baum kommt ihr auch nicht bekannt vor. Und dieses Haus? War sie da schon mal?

Rosa bemerkt, wie müde sie geworden ist. Sie beschließt, eine Pause einzulegen. Und so sucht sich Rosa einen schönen Apfelbaum aus, hockt sich darunter und legt ein Ei. Dabei gackert sie sehr laut, wie das Hühner eben tun, wenn sie ein Ei legen.

Hinter dem Apfelbaum steht ein Haus, in dem Markus wohnt. Markus geht jeden Tag ins Storchennest. Als er Rosa draußen gackern hört, wundert er sich. Normalerweise hört er die Hühner nicht in seinem Haus gackern.

Markus geht in den Garten, öffnet die Gartentüre und was entdeckt er da unter dem Apfelbaum? „Ja was machst denn du hier?“ fragt er Rosa. Er hebt sie behutsam auf und bringt sie zurück ins Storchennest. Dort sieht er die offene Türe. „Ah, da hat wohl jemand vergessen, die Türe zuzumachen!

Er setzt Rosa in ihrem Hühnerstall ab und verriegelt die große Gittertüre.

Im Hühnerstall wartet Berta bereits voller Sorge auf Rosa. „Ja sag du mir, wo hast du denn gesteckt? Ich hab dich überall gesucht! Ja, was glaubst denn du, dass du so einfach verschwinden kannst, ohne mir was davon zu sagen?“ schimpft sie.

Rosa aber kann Berta gar nicht mehr hören. Sie hat sich in das warme Stroh gekuschelt und ist sofort und auf der Stelle eingeschlafen. Morgen wird sie Berta von Pablo erzählen.

Was glaubst du, wird Berta Rosa beim nächsten Ausflug begleiten?

Die jammernde Scheibtruhe – eine Geschichte für Kinder

Die jammernde Scheibtruhe – eine Geschichte für Kinder

„Schau mal, wie schön die Sonne scheint!“ ruft Opa, als er eines morgens im März in den Garten geht. „Ja, es ist richtig warm! Ich kann den Frühling schon riechen!“ antwortet Mona. Mona besucht ihre Großeltern gerne am Wochenende. „Heute ist der erste richtige Frühlingstag! Was wollen wir also machen?“ fragt Mona ihren Großvater.

Opa kratzt sich am Kopf und meint: „Hmm, vielleicht sollten wir den Winter aus dem Vorgarten kehren. Es liegen so viele Blätter herum. Die möchte ich gerne zusammenrechen und zur Kompostanlage bringen.“ „Darf ich dir helfen?“ fragt Mona. „Aber sicher, ich freu mich, wenn du das mit mir machst. Zu zweit werden wir schnell fertig sein.“

Mona begleitet Opa hinters Haus. Dort an der Hauswand lehnt die alte Scheibtruhe. Opa holt zwei Rechen. Einen Großen für sich und einen etwas Kleineren für Mona. Er legt die Rechen in die Scheibtruhe und fährt damit in den Vorgarten. Dort angekommen beginnen die beiden zu arbeiten.

„Schau mal, Opa, hier blühen schon die Schneeglöckchen! Und da vorne, da kommen Primeln!“ Mona freut sich sehr über die ersten Frühlingsboten. Während Mona lieber das Laub aus dem Blumenbeet recht, kümmert sich Opa um die große Rasenfläche. Lauter kleine Laubhaufen entstehen.

„So, jetzt müssen wir nur noch das Laub in die Scheibtruhe laden, dann können wir schon losfahren!“ sagt Opa. Gemeinsam schaufeln sie also das Laub in die Scheibtruhe, bis sie ganz voll ist.

„Und los geht´s! Opa, darf Rocco auch mit zur Kompostanlage kommen?“ Rocco ist Opas Hund. Er ist kleiner als Mona und ein bisschen schaut er aus wie ein Fuchs, findet sie.  „Ja klar, Rocco liebt die Kompostanlage. Dort findet er immer was zu tun.“

Opa schiebt die Scheibtruhe und Mona öffnet ihm die Gartentüre. Es ist nicht weit zur Kompostanlage, nur ein paar Schritte. Doch schon nach 5 Schritten beginnt die Scheibtruhe zu jammern. Sie quietscht und klappert und ruft:

„Nein, nein, nein, stopp bitte sehr!

Das alles ist mir viel zu schwer!

Im Winter war es bitterkalt

und außerdem bin ich zu alt!“

Opa bleibt stehen und kratzt sich am Kopf. „Aber jetzt haben wir doch das ganze Laub schon eingefasst! Komm schon, wir sind doch gleich da!“ Und so hebt er die Truhe an den Schiebestangen wieder hoch und schiebt sie weiter. Doch 5 Schritte später beginnt die Scheibtruhe wieder zu jammern. Sie quietscht und klappert und ruft:

„Nein, nein, nein, stopp bitte sehr!

Das alles ist mir viel zu schwer!

Im Winter war es bitterkalt

und außerdem bin ich zu alt!“

Der Großvater bleibt wieder stehen und kratzt sich am Kopf. „Opa, ich glaube, die Scheibtruhe braucht ein bisschen Öl!“ sagt Mona. „Jaja, da hast du wohl recht.“ antwortet er. „Aber jetzt sind wir doch gleich da und dann können wir das ganze Laub ausleeren. Schau mal, da vorne ist sie schon, die Kompostanlage! Das schafft sie schon noch.“ Und so hebt er die Truhe an den Schiebestangen wieder hoch und schiebt sie weiter. Doch 5 Schritte später beginnt die Scheibtruhe wieder zu jammern. Sie quietscht und klappert und ruft:

„Nein, nein, nein, stopp bitte sehr!

Das alles ist mir viel zu schwer!

Im Winter war es bitterkalt

und außerdem bin ich zu alt!“

Der Großvater bleibt wieder stehen und kratzt sich erneut am Kopf. „Also gut, ich glaube, da ist wohl nichts zu machen.“ Er seufzt: „Dann hol ich mal das Öl. Bleib´ du mit Rocco da stehen und pass´ auf, dass nichts passiert!“ Er dreht sich um und geht zum Haus zurück.

Mona betrachtet die Scheibtruhe. „Sie ist wirklich schon alt“, denkt sie. Die Truhe ist schon ganz rostig und im Reifen fehlt Luft. „Oje, du liebe Scheibtruhe. Ich glaube, du brauchst dringend ein bisschen Zuwendung!“ Mona dreht sich um und lauft zurück zum Haus. „Opa!“ ruft sie: „Wir brauchen auch noch eine Pumpe und außerdem muss die Scheibtruhe neu lackiert werden!“

„Also eine Pumpe hab´ ich hier und Lack – hmm, mal schauen.“ Er sieht sich in der Garage um, öffnet hier eine Lade, schaut dort in eine Schachtel. „Ah, hier hab ich was! Grün, was sagst du dazu?“ „Na, grün ist doch wunderbar, passt super gut zum Frühling!“

Mona nimmt die Fahrradpumpe und einen Pinsel, Opa den Kübel mit Lack und das Schmieröl. Als sie wieder bei der Scheibtruhe ankommen, sitzt Rocco daneben und passt auf. Zuerst schmiert Opa das Rad. Danach pumpt er es mit der Fahrradpumpe richtig fest auf. „Jetzt brauchst du nur noch eine neue Farbe!“ „Aber Opa, da ist ja noch das Laub drinnen! Wir können die Scheibtruhe ja gar noch nicht neu lackieren!“ Opa kratzt sich wieder am Kopf und meint: „Ja, da hast du wohl recht, liebes Kind. Ich hoffe, wir schaffen es jetzt einmal bis zur Kompostanlage.“

Und so hebt der Großvater die Truhe an den Schiebestangen wieder hoch und schiebt sie weiter. Die Scheibtruhe jammert nicht mehr. Sie gurgelt und schnurrt und gurrt:

„Ja, ja, ja, mein lieber Herr!

Jetzt ist mir gar nichts mehr zu schwer!

Obwohl es war so bitterkalt

und ich bin wirklich schon sehr alt!“

In der Kompostanlage angelangt, schüttet Opa das ganze Laub auf einen sehr großen Haufen mit Grünschnitt. „Ich glaube, es ist besser, die Scheibtruhe in der Garage zu lackieren. Denn dort kann ich Karton darunter legen.“ Mona legt die Fahrradpumpe und das Schmieröl in die Scheibtruhe, Opa legt den Pinsel und den Lackkübel dazu. Der Großvater hebt die Scheibtruhe in die Höhe und schiebt sie nach Hause.

In der Garage legt Opa einen großen Karton auf den Boden. Dann stellt er die Scheibtruhe drauf und beginnt, sie zu lackieren. Auch Mona hilft mit. Mit 2 Pinseln geht es ganz schnell und bald ist die Scheibtruhe statt rostig-rot, leuchtend grün.

Mona betrachtet die Scheibtruhe und findet, dass sie wirklich gut ausschaut. „Und was sagst du dazu, liebe Scheibtruhe?“ fragt sie. Und diese antwortet:

„Ja, ja, ja, mein liebes Kind!

das ging ja wirklich sehr geschwind!

Nun bin ich wieder jung und fit,

das Grün ist wirklich voll der Hit!“

Die Puddinglasagne – eine Geburtstagsgeschichte für Kinder

Die Puddinglasagne – eine Geburtstagsgeschichte für Kinder

„Noch 2 Tage, dann habe ich Geburtstag!“, ruft Christine dem Papa zu, als er nach Hause kommt. „Und was wünscht du dir zum Geburtstag?“, fragt der Papa. „Spitzenschuhe und ein Glitzerkleid!“ Christine tanzt nämlich für ihr Leben gern. Sie ist eine richtige Ballerina. Am liebsten tanzt sie vor dem großen Spiegelschrank, der im Schlafzimmer ihrer Eltern steht. „Und sonst gar nichts?“, fragt der Papa. „Nein, sonst gar nichts“, antwortet Christine.

 „Und du wünscht dir ganz bestimmt nichts mehr? Vielleicht noch ein Stofftier? Oder ein ferngesteuertes Auto? Einen Drachen? Oder vielleicht einen Ausflug in den Zoo?“ Christine sieht nach oben, auf die Seite, ihre Finger streichen über ihre Wange, dann legt sie ihren Zeigefinger auf den Mund und schielt auf ihre Nase. „Oh“, denkt Papa, „sie denkt wirklich sehr lange nach!“ Und so beschließt er, ihr nochmal zu helfen: „Was magst du am liebsten?“ „Tanzen!“ antwortet Christine. „Jaja“, aber was noch?“ „Pudding! Oder nein, Lasagne!“ Dann dreht sie sich um und tanzt ins Schlafzimmer.

Am nächsten Tag bringt Papa sie wie jeden Morgen in den Kindergarten. Dort wartet bereits Markus auf sie. Mit Markus spielt sie am liebsten. Mit ihm kann sie turnen, tanzen, Tiere spielen und auch im Sand schaufeln. Mit Markus kann sie einfach alles machen, was ihr gut gefällt. „Christine, was wünscht du dir zum Geburtstag?“, fragt er, als sie den Gruppenraum betritt. „Spitzenschuhe und ein Glitzerkleid. Damit tanze ich dann durch das ganze Haus!“

„Und Pudding ´n´ Lasagne“, ruft sie, während sie in den Bewegungsraum läuft. Markus schaut Christines Papa an und fragt ihn: „Puddinglasagne?“ „Ja, Puddinglasagne, so habe ich das jetzt auch verstanden.“ „Gut, dann schenk ich ihr eine Puddinglasagne! Bis morgen!“ sagt Markus.

Als Mama Markus vom Kindergarten abholt, ist Markus schon aufgeregt. „Mama, ich muss für Christine eine Puddinglasagne machen. Das wünscht sie sich nämlich zum Geburtstag!“ „Aha, das hast du heute also noch vor“, antwortet Mama. „Ich hab´ heute Palatschinken für uns gebacken.“ „Mit Marmelade?“ fragt Markus. „Ja, mit Marmelade, oder mit Topfen. Jeder kann sie bestreichen, wie er will.“

Zu Hause angekommen, macht sich Markus gleich an die Arbeit. Von seiner Oma hat er zu Weihnachten drei kleine Auflaufförmchen geschenkt bekommen. Da ein großes Lasagneblatt viel zu groß für das Förmchen ist, zerbricht er es in kleine Stücke. Er holt eine Flasche Tomatensauce aus dem Vorratsschrank, gibt ein wenig davon in eine Schüssel und würzt die Sauce mit Pizzagewürz. Dann legt er eine Schicht Lasagneblätter in die Form, darauf füllt er Tomatensauce, dann wieder eine Schicht Lasagneblätter, dann wieder eine Schicht Tomatensauce. Zum Schluss reibt er etwas Parmesankäse drüber.

Markus schaut sein Werk an. „Und wo ist jetzt der Pudding?“ fragt er sich. Das Puddingpulver findet er im Hängekasten über der großen Arbeitsplatte. Nun muss er erst einmal Pudding kochen. Mit seiner Mama hat er das schon einmal gemacht. Er holt eine kleine Packung Milch aus dem Kühlschrank und leert sie in einen Kochtopf. Während die Milch warm wird, verrührt er das Puddingpulver in einer Tasse mit etwas Milch. Als die Milch zu kochen beginnt, schiebt er den Kochtopf vorsichtig zur Seite und rührt mit einem Schneebesen das Puddingpulver in die Milch hinein. Hmm, das duftet ja schon! Er beginnt also erneut mit dem Schichten. Erst ein Lasagneblatt, dann eine Schicht Pudding, dann ein Lasagneblatt, wieder eine Schicht Pudding. Und zum Schluss Parmesankäse. Er stellt das Förmchen ins Backrohr und dreht den Ofen auf.

„Markus, jetzt komm erst mal was essen!“ ruft Mama und holt Markus aus der Küche. Als er sich an den Tisch setzt, bemerkt er, wie hungrig er ist. Er schmiert Marillenmarmelade auf eine Palatschinke und extra viel Topfen auf die Zweite. Sobald er mit dem Essen fertig ist, steht er auf: „Ich muss schauen, ob die Lasagne schon fertig ist!“ sagt Markus laut und zischt wieder in die Küche. Dort nimmt er das Förmchen vorsichtig aus dem Backrohr. Eigenartig riecht sie, die Lasagne. Und er muss sie gleich kosten, weil sie so interessant riecht. Aber ganz ehrlich, sie schmeckt gar nicht so gut, also der Käse, der passt irgendwie nicht!

„Uuwäähh!“ sagt Markus und verzieht seinen Mund zu einer lustigen Grimasse. „Ich glaub, ich brauch noch eine Palatschinke“, sagt er leise zu sich selbst. Seine dritte Palatschinke bestreicht er mit Vanillepudding, davon hat er ja immerhin noch reichlich. „Hmm, das schmeckt ja besonders lecker!“, ruft Markus.

Dieser Genuss bringt ihn auf die richtige Idee! Die Puddinglasagne, natürlich! Schnell läuft er in die Küche und holt sein drittes Förmchen. Er zereisst eine Palatschinke in kleine Stücke und belegt den Boden der Backform. Danach bestreicht er die Palatschinke mit dem Vanillepudding. Anschließend legt dann wieder Palatschinkenstücke drauf, wieder Vanillepudding und zum Schluss – ja was zum Schluss? Käse nicht, das hat er schon probiert, das schmeckt komisch. Markus schaut sich in der Küche um. Im Vorratsschrank findet er: Sesam, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsamen, Kokosett, Kakao, Mandelstreusel und geriebene Haselnüsse. Er entscheidet sich für das Kokosett und streut es über die Puddinglasagne.

Wie jedes Jahr am 6. Februar wacht Christine schon sehr früh auf. Es ist noch ganz finster, als sie zur Mama ins Bett krabbelt, sie sanft anstupst und sagt: „Guten Morgen, alles Gute zu meinem Geburtstag!“ „Ach Mäuschen, es ist doch erst 6 Uhr, meinst du nicht, wir könnten noch etwas schlafen, bevor wir deinen Geburtstag feiern?“ „Auf gar keinen Fall, das geht mit Sicherheit nicht! Ich kann gar nicht verstehen, warum du das noch immer nicht weißt, liebe Mama! Der 6. Februar beginnt immer um 6 Uhr Früh und das seit 6 Jahren!“

„Also gut“, sagt Mama und drückt dem Papa einen Kuss auf die Stirn. Der Papa zieht die Decke über seinen Kopf und grunzt. „Papa!“, ruft Christine. „Aufstehen, ich hab´ Geburtstag!“

Das erste Päckchen macht Christine noch vor dem Frühstück auf. Endlich, das Glitzerkleid! Wie sehr sie sich das gewünscht hat! Sie zieht das Kleid gleich an und freut sich jetzt noch mehr auf den Kindergarten.

Dort angekommen staunen die Kinder nicht schlecht. So eine glitzernde Christine haben sie ja noch nie gesehen! „Ja, weil ich hab´ heute Geburtstag!“, strahlt sie.

Am Nachmittag besucht Markus Christine zu Hause. Christine zeigt ihm gleich ihre Spitzenschuhe und tanzt mit ihm vom Vorraum in die Küche und ins Esszimmer. Dort stehen bereits Teller bereit, der Papa bringt Kakao und Markus stellt die Puddinglasagne auf den Tisch. „So, liebe Christine, alles Gute zum Geburtstag, das ist mein Geschenk, das du dir von mir gewünscht hast!“

Und ich sag euch, das hat nie aufgehört! Jetzt ist Christine 49 Jahre alt und noch immer macht ihr Markus jedes Jahr zum Geburtstag eine Puddinglasagne!