Daniela Scheurer

gemeinsam.spielend.wachsen.

Daniela Scheurer

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Der bunte Schnee – eine Wintergeschichte für Kinder

Der bunte Schnee – eine Wintergeschichte für Kinder

„Schau mal, Felix, es hat geschneit!“ Es ist früh am Morgen, als Anna Felix wachrüttelt.

„Das musst du dir unbedingt ansehen, ich lauf gleich mal runter. Komm schon, du Schlafmütze!“

Felix schaut verschlafen aus dem Fenster. Eine dicke Schneeschicht hat sich in der Nacht über den Garten gelegt. Die Äste der Bäume biegen sich genauso weit hinunter, wie im Herbst, wenn die vielen Äpfel drauf hängen. Felix kann auf der Schneedecke die Spuren von Leo erkennen. Der Hund hat seine Morgenrunde im Garten also schon gedreht.

„Komm schon raus, das ist lustig!“ ruft Anna. Sie läuft im Pyjama durch den Garten.

„He, du hast ja gar keine Schuhe an!“

„Brauch ich nicht. Das geht auch so. Die zieh ich erst an, wenn mir so richtig kalt ist!“ Kichernd läuft Anna noch eine Runde durch den Schnee und hinterlässt lustige Fußspuren.

Es fällt Felix schwer, sich zu entscheiden. Einerseits sieht das wirklich lustig aus, aber andererseits ist ihm jetzt schon ein bisschen kalt. Immerhin ist ja Winter und da draußen liegt Schnee.

„Nein, barfuß im Schnee, das ist ja wirklich verrückt“ denkt er.

Er schnappt sich seine Winterstiefel und steigt mit einem Fuß hinein. Aber ihm fällt ein, dass er ja erst noch seinen Schianzug anziehen muss, bevor er in die Stiefel steigt.

Mit viel Mühe steigt er in seinen dicken Schianzug, dann in seine Stiefel. Er setzt noch seine Haube auf und streift seinen Halsschlauch über. „Mama! Du musst mir meine Handschuhe anziehen!“ ruft er laut.

Als die Mama die Stiegen herunterkommt, sieht sie verschlafen aus. „Brrrr, da ist es aber kalt.“ Mama schließt erst die Eingangstüre, dann sieht sie Felix an: „Du gehst also schon raus in den Garten?“

„Ja, die Anna ist schon ganz lange draußen!“

Mama zieht Felix die Handschuhe an und öffnet wieder die Eingangstüre. Da sieht sie Anna, die immer noch barfuß im Pyjama durch den Garten hüpft. Sie schüttelt den Kopf und schlingt ihre Arme um ihren Oberkörper: „Anna, wenn ich dir zuschaue, wird mir schon kalt!“

„Aber mir ist gar nicht kalt!“ Anna lacht und macht jetzt sogar einen Purzelbaum im Schnee.

„Aber dein Pyjama ist schon ganz nass und deine Haare!“ – „Egal Mama, bringst du mir meine Zahnbürste? Ich will heute im Schnee meine Zähne putzen.“

Mama seufzt und holt die beiden Zahnbürsten und die Zahnpasta aus dem Badezimmer. Sie steckt alles in ein Glas und reicht es den Kindern bei der Eingangstüre hinaus.

„Ich werde euch mal warmes Frühstück machen.“

„Felix, wir putzen heute unsere Zähne mit Schnee.“ Anna reicht Felix die Zahnbürste.

Felix ist gerade dabei, Spuren im Schnee zu machen. „Überall müssen Spuren sein. Auch da hinten, in allen Ecken.“

Anna hört nicht auf Felix. Sie nimmt ihre Zahnbürste in die Hand, taucht sie in den weichen Schnee und kleckst dann eine kleine Kugel rosa Zahnpasta drauf. Bevor sie beginnt, ihre Zähne zu putzen, nimmt sie noch ein bisschen Schnee in die Hand und steckt ihn in den Mund.

„Hmm, lecker. Felix, das musst du ausprobieren! Schnee mit Zahnpasta!“ Beim Zähneputzen füllt sich Annas Mund mit Schaum, den sie einfach in den Schnee spuckt. Rosa Schaum auf weißem Schnee.

„Felix! Schau mal, was ich gemacht habe! Ich hab einen rosa Erdbeerstern gespuckt!“

Das muss sich Felix ansehen. Einen rosa Erdbeerstern? Tatsächlich. Neben Anna sieht er einen rosa Fleck, der aussieht, wie ein Stern. In einem wunderbaren und leckeren Erdbeerrosa.

„Ich will auch!“ Also beginnt auch Felix, seine Zahnbürste in den Schnee zu tauchen. Anna kleckst ihm auch eine Kugel Zahnpasta drauf. Nach dem Putzen spuckt Felix seinen Schaum in den Schnee.

„Oh, das ist ein Herz!“ ruft Anna. Beide Kinder lachen.

„Frühstück ist fertig!“ ruft Mama. „Und Anna, ich will jetzt wirklich, dass du reinkommst, du bist pitsche-patsche-nass!“

Anna überlegt. Ja, schön langsam kann sie die Kälte auch spüren. Vor allem in den Füßen, denn die stehen ja immer noch im Schnee.

Die Kinder laufen zurück ins Haus. Mama trocknet Anna die Haare mit einem dicken Handtuch ab, hängt den nassen Pyjama über den Kachelofen und wickelt Anna in eine warme Decke.

„Mama, ich muss nach dem Frühstück unbedingt noch einmal Zähne putzen. Draußen, mit dem Schnee.“ sagt Felix.

Mama wundert sich. „Das ist ja was ganz was Neues. Du putzt doch sonst nicht gerne deine Zähne. Wieso dann heute gleich doppelt?“

„Weil ich mag noch einmal in den Schnee spucken. Mein Zahnpastaherz schaut so schön aus.“

„Zahnpastaherz?“

„Mama, Felix und ich haben die Zahnpasta nach dem Putzen in den Schnee gespuckt. Ich hab´ einen Stern gespuckt.“ Anna kichert und Felix muss auch lachen.

„Also ihr könnt gerne nochmal Zähne putzen. Da hab ich gar nichts dagegen. Aber ich mag nicht, dass ihr die ganze Zahnpasta im Schnee verspuckt.“

„Aber der bunte Schnee schaut so schön aus. Ich will noch mehr bunten Schnee haben.“ Felix verzieht den Mundwinkel und schaut Mama hoffnungsvoll an.

„Okay, wenn du bunten Schnee machen willst, dann hab´ ich eine andere Idee. Wie wäre es, wenn ich euch ein paar Schüsseln buntes Wasser vorbereite und ihr damit den Schnee bunt macht?“

„Jaaaa!“ rufen beide Kinder gleichzeitig

Mama stellt 4 Schüsseln mit Wasser auf ein weißes Tablett. Dann färbt sie mit Lebensmittelfarbe das Wasser ein. Blau, Rot, Grün, Gelb. Dazu legt sie noch ein paar Spritzen und zwei Sprühflaschen dazu. Die Sprühflaschen befüllt sie mit orangem, grünen und lila Wasser.

Nach dem Frühstück ziehen sich beide Kinder ihre Schianzüge und ihre Schuhe an und stapfen wieder hinaus in den Schnee. Anna nimmt das Tablett mit dem bunten Wasser mit.

Felix beginnt gleich, mit den Spritzen den Schnee einzufärben. In jeder Ecke des Gartens will er bunte Sterne und Flecken hinterlassen.

Und Anna? Anna malt Herzen in allen Farben in den Schnee. „Weil ich den Schnee so liebe,“ sagt sie.

Opa bäckt Weihnachtskekse – Eine Geschichte für Kinder

Opa bäckt Weihnachtskekse – Eine Geschichte für Kinder

„Mama! Nur noch 9 Tage bis Weihnachten!“ Felix klebt gerade den fünfzehnten Stern an die Wand. Jeden Tag kommt ein neuer dazu. Mit seiner Schwester Anna wechselt er sich ab. Anna kommt an den geraden Tagen dran, Felix an den ungeraden. Das machen sie jedes Jahr so.

„Bis Weihnachten werden es 24 sein“, denkt er. „Aber wie soll sich das alles bloß ausgehen?“

Mama liegt immer noch unbeweglich auf der Couch. Vor einer Woche ist sie auf dem Glatteis ausgerutscht und hat sich den Fuß gebrochen. Was war das für eine Aufregung!

Die Rettung kam und hat Mama gleich einmal mitgenommen. Im Krankenhaus wurde ihr Fuß fast komplett eingegipst. Und jetzt kann sie nur auf einem Bein humpeln.

„Mama, es ist höchste Zeit, Kekse zu backen!“

„Ja, aber wie soll ich denn das machen? Ich kann doch nicht stundenlang auf einem Bein stehen und Kekse backen. Ich fürchte, wir werden einfach ohne Kekse Weihnachten feiern.“

„Weihnachten ohne Kekse?“ Felix muss nachdenken.

„Aber Mama, wie stellst du dir das denn vor?“ fragt Anna. „Wenn Oma und Opa da sind, die Kerzen am Tannenbaum brennen und wir die Geschenke auspacken. Was sollen wir denn dann essen? Nein. Das ist unmöglich. Wir brauchen Vanillekipferl und Topfenkipferl. Dann werde ich eben selbst Kekse backen. Felix hilft mir bestimmt, oder?“

Und ob Felix wollte. So schnell der Entschluss gefasst war, so schnell düsen die Geschwister in die Küche und machen sich an die Arbeit.

„Aber halt!! So geht das nicht!“ ruft Mama. „Ihr könnt das doch nicht alleine machen!“

„Geh´ Mama – wir schaffen das schon!“ ruft Felix, der gerade die Butter aus dem Kühlschrank holt.

„Wartet wenigstens, bis ich die Oma angerufen habe. Die kann euch bestimmt beim Backen helfen!“, ruft Mama und greift zum Telefon.

„Du, Oma, die Kinder wollen ganz alleine Kekse backen. Und ich kann ihnen nicht dabei helfen! Sie fangen schon ganz von alleine an. Erstens ist das zu gefährlich und zweitens, ach du meine Güte! Was glaubst du, wie sie die Küche hinterlassen werden! Und ich kann das ja auch gar nicht putzen hinterher!“ Mama klingt verzweifelt.

Leider kann die Oma aber nicht kommen. Denn die ist sehr beschäftigt. Sie muss putzen und Geschenke besorgen, vorkochen und die Tante Luise besuchen. Und zum Friseur will sie auch noch. Heute hat sie keine Zeit zu kommen. Erst am Wochenende. Und dann leider nur eine Stunde am Nachmittag.

„Aber weißt du was, ich schick den Opa, der hat nämlich eh nix zu tun!“ sagt die Oma.

Während Felix im Kochbuch nach dem passenden Kekserezept sucht, richtet Anna schon mal alles her: Mehl, Zucker, Eier, geriebene Haselnüsse und natürlich die Butter. Sie holt den Nudelwalker aus der Lade unter dem Herd und bereitet das Backpapier vor.

„Und? Wie geht´s jetzt los?“ fragt Anna Felix.

„Erst brauchen wir noch ein Rezept. Ich suche noch das Rezept mit den Vanillekipferl. Aber ich finde es nicht.“ Er blättert weiter in dem dicken Rezeptbuch.

„Dann machen wir eben Topfenkipferl. Das Rezept kenne ich auswendig. Dazu brauchen wir einen Ziegel Butter, ein Packerl Topfen und 250 Gramm Mehl.“

Während Anna schon einmal die Butter auspackt, kommt Opa bei der Türe herein. Er hat weißes Haar, das Anna schon einige Male frisiert hat. Und er zieht niemals seine Schuhe aus. Auch nicht in der Küche.

„Hallo Opa! Magst du auch Kekse backen?“ fragt Felix.

„Hmm, na ich weiß nicht. Ich esse sie lieber. Ich setz´ mich einfach hier auf den Sessel und schau euch zu.“

„Okay, aber du darfst auch Kipferl machen, wenn der Teig fertig ist!“

Felix blättert immer noch im Kochbuch. „Opa, kannst du mir sagen, wo ich das Rezept für die Vanillekipferl finde? Denn die brauchen wir unbedingt zu Weihnachten!“

„Jaja, was wäre Weihnachten ohne Vanillekipferl?“ Opa findet das Rezept ganz schnell und zeigt es Felix.

Anna und Felix sind sehr beschäftigt. Sie wiegen die Zutaten ab und kneten sie zu einem festen Teig. „So, jetzt muss der Teig rasten!“ sagt Felix und stellt ihn in den Kühlschrank.

„Und was machen wir solange?“ fragt Anna.

Opa holt die Gitarre aus dem Wohnzimmer und setzt sich zum Küchentisch. „Ich schlage vor, wir singen ein paar Lieder, bis der Teig wieder munter ist.“

Anna und Felix hören Opa gerne zu, wenn er auf der Gitarre spielt. Gemeinsam singen sie alle Weihnachtslieder, die sie kennen. „Oh, Tannenbaum“ und „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Ihr Kinderlein kommet“ und „die Wi-Wa-Weihnachtsmaus“. Natürlich auch „die Weihnachtsbäckerei“. Anna wünscht sich von Opa noch das Nikolauslied, das sie sie so gerne mag, obwohl der Nikolaus schon da war.

„Das macht nichts,“ sagt Opa. „Nikolauslieder kann man das ganze Jahr über singen.“

Danach holen die Kinder die beiden Teige aus dem Kühlschrank. Anna walkt ihren Topfenteig aus und Felix beginnt, die Vanillekipferl zu formen. Nur leider ist das gar nicht so einfach.

„Mama! Der Teig will gar kein Kipferl werden! Er zerbricht dauernd!“ ruft Felix.

Anna schaut ihren ausgerollten Teig an und ruft: „Mama! Wie geht das nochmal mit den Topfenkipferl?“

Mama seufzt und denkt: „Ich hab´ gewusst, dass das ein Chaos wird!“

Da steht der Opa auf und sagt: „Warum müssen es denn eigentlich immer Kipferl sein? Wer sagt denn, dass es nicht auch Kugeln sein dürfen?“

Opa nimmt eine Handvoll Teig, knetet ihn ein wenig und rollt daraus eine lange Schlange. Dann schneidet er ein kleines Stück mit dem Messer ab und rollt den Teig in seinen Händen wie Plastilin zu einer Kugel.

Felix findet das sehr interessant. Er macht es wie Opa und in Windeseile entstehen lauter kleine Vanillekugerl. Aus der Schlange formt Felix dann doch noch Kipferl, Stangen und sogar Brezel.

„Und hier? Weißt du, vielleicht kann man einfach Kekse aus dem Teig ausstechen?“ fragt Opa Anna.

Anna holt daraufhin die Keksausstecher aus der Lade. „Das ist wahrscheinlich einfacher, aber es werden halt keine Kipferl.“

Opa findet eine sehr große runde Ausstechform. „Und was wäre, wenn aus den Kipferl einfach Taschen werden?“ Opa sticht einen großen Kreis aus dem Teig aus.

„Womit möchtest du die Taschen füllen?“ fragt er Anna.

„Marillenmarmelade! Da oben im Kasterl sollte es noch ganz viel davon geben.“ Anna steigt auf das Holzstockerl und holt ein Glas von der guten Marmelade, die Mama im Sommer gemacht hat.

Opa öffnet das Glas und Anna kleckst die Marmelade mit einem Löffel mitten auf den großen Kreiskeks. Dann legt sie den Kreis in der Mitte zusammen und drückt die Enden mit dem Finger fest. Auf der Seite quillt die Marmelade wieder raus.

„Hmm, das schaut sehr lecker aus.“ Meint Opa und sticht einige Herzen und Sterne aus dem Teig aus.

Felix schiebt inzwischen seine Kekse in den Ofen. „Wie lange dauert das jetzt?“

„Ich würde sagen, bis es gut riecht“, antwortet Anna und kümmert sich weiter um ihre Marmeladenkleckse.

„Ich habe gar nicht gewusst, dass Kekse backen so viel Spaß macht!“ sagt Opa. „Als ich ein Kind war, durfte ich meiner Mama niemals in der Küche helfen. Die hat mich immer weggeschickt. Ich glaube, ich werde noch zum Weihnachtsbäcker, so wie ihr!“

Während Felix seine fertigen Kugeln, Kipferl, Stangerl und Brezerl mit Vanillezucker bestreut, schiebt Anna ihre Taschen und Kekse in den Ofen.

„Opa! Wie schaut´s denn da aus? Mit deinen Schuhen verteilst du das ganze Mehl in der Küche!“

Opa schaut auf seine Schuhe. Tatsächlich klebt daran überall Mehl. „Aber schau DICH doch mal an! Du hast Mehl am Bauch, an den Händen und auf deiner Hose!“

Felix lacht. „Ja, so ist das eben beim Kekse Backen“, sagt Anna. „Und schau mal, Felix hat Teig im Gesicht und sogar in den Haaren!“ Jetzt müssen alle lachen. Das Mehl und der Teig haben sich in der Küche ausgebreitet.

„Am besten, wir machen das gemeinsam sauber“, meint Felix. „Anna, hol du einen Putzlappen und Opa, du holst einen Besen!“

„Und was machst du?“ fragt Anna.

„Ich wasche ab“, antwortet Felix. Damit war Anna einverstanden.

Während Opa das Mehl vom Boden kehrt, wischt Anna die Arbeitsfläche sauber und hilft Felix beim Abtrocknen.  

„Hmm, ich weiß nicht, aber hier im Wohnzimmer kann ich die Kekse schon sehr gut riechen. Seid ihr sicher, dass die Kekse nicht schon zu lange im Ofen sind?“, ruft Mama vom Wohnzimmer in die Küche.

„Au weia, meine Kekse!“ Ganz schnell holt Anna ihre Kekse aus dem Ofen. Gerade noch rechtzeitig. Schön goldbraun sind sie geworden, die Kekse und Taschen, aus denen die Marillenmarmelade hervorquillt.

Felix holt den Teller mit den goldenen Sternen aus dem Schrank und legt dort Topfentaschen, Vanillekugeln und Kekse drauf. Zu dritt gehen sie damit zu Mama ins Wohnzimmer.

Topfentaschen gefüllt mit Marillenmarmelade
250 Gramm Butter, Mehl und Topfen

„So“, sagt Anna: „Hier ein paar Kekse für dich, Mama. Das sind nämlich auch Gesundheitskekse, damit es dir schnell wieder besser geht. Aber nicht alles auf einmal aufessen, sonst ist ja zu Weihnachten nichts mehr da.“

Mama steckt eine Marmeladetasche in den Mund. „Wow, die sind ja lecker! Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie bis Weihnachten halten. Ich glaube, da müsst ihr wohl noch einmal backen.“

„Kein Problem, Mama. Wir haben ja den Opa. Der ist jetzt nämlich auch ein Weihnachtsbäcker.“

Die Geschichte von der Butter, die einen Ausflug machte

Die Geschichte von der Butter, die einen Ausflug machte

„Weißt du, was Langeweile ist?“ fragte die Butter den Gemüseaufstrich.

„Langeweile? Ha, das kenne ich nicht. Mindestens dreimal am Tag werde ich rausgeholt und siehst du ja, ich werde immer weniger! Es ist wunderbar, so lecker zu sein und jedem zu schmecken!“ antwortete der Gemüseaufstrich und lachte überheblich.

„Du bist einfach nur blöd!“ sagte die Butter. Seit der Gemüseaufstrich im Kühlschrank wohnte, kümmerte sich keiner mehr um sie. Hoffentlich war er bald aufgegessen, damit Franziska und ihre Eltern wieder mehr Lust auf Butter hatten.

„Also ich weiß gut, was Langeweile ist!“ meinte die Karotte. „Ich lieg hier schon mindestens 17 Tage herum. Ich würde gerne noch was erleben, bevor ich komplett verschrumple!“

„Dann lass uns doch zusammen was unternehmen!“ schlug die Butter der Karotte vor. „Ich würde gerne mal in den Garten gehen und ein bisschen schwimmen gehen. Franziska hat schon so oft vom Schwimmbecken gesprochen. Ich will es endlich auch mal ausprobieren.“

Die Marmelade stupste den Senf an und flüsterte ihm zu: „Hast du gehört, was die vorhaben? Wie findest du das?“ Aber den Senf kümmerte das alles nicht.

Die Karotte überlegte nicht lange. Sie wanderte zur Kühlschranktüre und sah zur Butter hinauf, die auf dem obersten Regal stand. „Na dann mal los! Komm runter!“

Die Butter ließ sich von ihrem Regal plumpsen, bis sie ganz unten angelangt war. Es war nicht einfach, die Kühlschranktüre zu öffnen. Mit aller Kraft stießen sie fünfmal dagegen, bis sie endlich aufging.  „Ruhe da!“ schimpfte die Zucchini in der Gemüselade.

Franziska wurde von dem Lärm wach. „Mama?“ fragte sie in die dunkle Nacht hinein. Mama lag neben ihr und schlief. „Papa?“ Papa lag auf der anderen Seite und schnarchte. „Was war denn das für ein Lärm?“ flüsterte sie ihrem Teddy zu und horchte auf weitere Geräusche.

„Weißt du, so genau habe ich das Haus noch nie betrachtet. Irgendwie bin ich noch nie aus der Küche herausgekommen.“ erzählte die Butter der Karotte.

„Ich schon, ich bin im Garten geboren!“ erzählte die Karotte stolz. Wenn du magst, kann ich dir mein Beet zeigen. Es steht gleich neben dem Schwimmbecken!“

„Warum bist du wach, Liebes?“ fragte Papa Franziska. „Kannst du nicht schlafen?“

„Ich bin wach geworden, weil die Butter und die Karotte vom Kühlschrank ausgebüxt sind, Papa! Sie wollen einen Ausflug in den Garten machen.“

„Ach so“ antwortete Papa und gähnte. „Komm, leg dich zu mir her, dann schlafen wir weiter.“

„Aber Papa, sollten wir nicht nachsehen und sie aufhalten?“

„Nein nein, morgen früh sind sie bestimmt zurück.“

Franziska legte sich in Papas Arme und sie schliefen wieder ein.

Die Butter und die Karotte waren bereits bei der Eingangstüre angekommen, schlüpften durch die Katzenklappe und schon waren sie draußen. Der Mond schien hell, es war noch warm und tausend Grillen zirpten durch die Nacht.

„Komm, ich zeige dir mein Beet!“ rief die Karotte und lief in den Garten. Die Butter blieb noch ein bisschen stehen und betrachtete die Sterne.

„Komm schon, glaubst du, ich warte ewig auf dich?“ Die Karotte rief noch einmal nach ihr und lachte. Sie hüpfte im Gras herum, lief im Kreis und machte einen Purzelbaum.

Die Butter aber ging ganz langsam durch das Gras zum Gemüsebeet. Sie bestaunte die schöne Musik, die von den Grillen kam, schnupperte am feuchten Gras und betrachtete die Gänseblümchen. Als sie endlich beim Gemüsebeet ankam, wartete die Karotte bereits ungeduldig auf sie.

„Also: hier bin ich geboren!“ Mit stolz geschwellter Brust zeigte die Karotte auf den Platz im Gemüsebeet, wo alle Karotten wuchsen. „Hier sind auch meine Geschwister.“ Die Butter suchte den Platz ab, aber alles, was sie sehen konnte, war grünes Kraut. „Wo sind sie denn?“ fragte sie die Karotte. „Na, da unten, in der Erde. Da drin wachsen sie.“

„Ach so“ antwortete die Butter. „Aber jetzt will ich endlich schwimmen gehen!“

Sie lief hinüber zum Schwimmbecken und hüpfte ohne zu überlegen ins Wasser hinein. Kurz tauchte sie unter, aber das Wasser hob sie sanft wieder auf die Oberfläche, wo sie still vor sich her schwamm. Dabei betrachtete sie die Sterne am Himmel, lauschte der Musik der Grillen und genoss die Wärme des Wassers.

Doch etwas Komisches passierte mit ihr. Es kam ihr vor, als wurde sie immer schmäler, nein, doch breiter, oder hallo, vielleicht etwas kleiner? „Was geschieht mit mir? Ich fühle mich irgendwie so schwummerig und flüssig wie das Wasser unter mir.“

„Du schmilzt!“ rief die Karotte. „Du solltest schleunigst raus aus dem Wasser!“

Die Karotte lief zum Gemüsebeet, zerrte an einer Gurke bis sie zu Boden fiel und sagte: „Du musst der Butter aus dem Schwimmbecken helfen. Sofort! Ich hole Hilfe aus dem Haus!“ Sie lief so schnell sie konnte.

Die Gurke legte sich unterdessen an den Rand des Schwimmbeckens und versuchte, der Butter aus dem Wasser zu helfen.

Im Haus angekommen, war die Karotte komplett außer Atem. Sie musste viermal tief Luft holen, bevor sie wieder etwas sagen konnte. „Hey, Brot, wir brauchen dich! Die Butter war schwimmen und jetzt wird sie immer weicher und weicher!“ rief sie auf dem Weg in die Küche.

Franziska wurde wieder wach und setzte sich im Bett auf. „Papa? – Jemand braucht dringend Hilfe!“ Doch der Papa schlief und schnarchte laut.

Das Brot allerdings hörte den Hilfeschrei der Karotte und hüpfte sofort aus seinem Korb. „Allzeit bereit!“ rief das Brot und folgte ihr hinaus in den Garten, wo die Gurke gerade damit beschäftigt war, der Butter aus dem Wasser zu helfen.

„Nur noch ein kleines Stück!“ sagte die Gurke und zog die weiche Butter aus dem Wasser. Das Brot legte sich an den Rand des Schwimmbeckens und sagte: „Komm, ich trag dich nach Hause!“

„Kannst du mich auch noch tragen? Ich bin fix und fertig!“ sagte die Gurke.

„Ich auch!“ meinte die Karotte, immer noch schnaufend.

„Aber sicher doch“ antwortete das Brot.

Die Gurke und die Karotte legten sich nebeneinander auf die Butter. Das Brot trug sie ins Haus bis auf den Küchentisch. Dort schlief auch das Brot ein

„Papa!“ Jetzt flüsterte Franziska nicht mehr. Sie rüttelte an ihrem Papa, bis er endlich aufwachte.

„Was gibt es denn, Liebes?“ fragte er. „Papa, die Butter braucht Hilfe! Sie war schwimmen und nun ist sie geschmolzen!“

„Ach so?“ fragte Papa nach. „Und woher weißt du das so genau?“

„Die Karotte hat es gesagt.“

„Na dann werde ich der Butter mal zur Hilfe eilen.“

Papa ging hinunter in die Küche, blickte nach links und nach rechts. Der Mond schien hell durch das Fenster direkt auf den Küchentisch.

„Mhhmm, wie lecker!“ dachte Papa. Er nahm das Gurken-Karotten-Butterbrot in die Hand und biss herzhaft hinein. „Es geht doch nichts über ein wirklich gutes Butterbrot“ dachte er, aß das Brot auf und ging wieder ins Schlafzimmer.

„Und, was ist jetzt mit der Butter?“ fragte Franziska.

„Alles wunderbar! Die Butter ist immer noch super lecker und seidig geschmeidig. Nur das Salz könnten sie beim nächsten Ausflug mitnehmen!“

Wie du deinen Kindern in nur 5 Schritten eine Geschichte frei erzählst

Wie du deinen Kindern in nur 5 Schritten eine Geschichte frei erzählst

„Was? Du erzählst einfach so eine Geschichte? Ohne dir vorher überlegt zu haben, worum es gehen soll?“

Ja, so mache ich das. Jeden Tag erzählen wir im Montessoriverein Storchennest unseren Kindergartenkindern eine Schlussgeschichte. Dazu braucht es weder eine spezielle Ausbildung, noch einen besonders kreativen Geist. Es ist ganz einfach, eine Geschichte frei zu erzählen, wenn du deine Zuhörerinnen um Hilfe bittest und ihnen genau zuhörst. Denn die Ideen kommen meist von den Kindern selbst.

Diese fünf Schritte helfen dir dabei, einfach einmal zu starten und deine Zuhörerinnen an das Miterzählen zu gewöhnen.

1. Wähle einen Ideenbooster

Um eine Idee für eine kurze Geschichte zu bekommen, kannst du dir Helferlein zulegen. Das kann ein Wimmelbild sein oder Symbole, die du mit deinen Kindern auf Kärtchen oder Steine zeichnest.

Zieht nun so viele Kärtchen oder Steine, wie ihr wollt (nicht mehr als fünf! – nachziehen könnt ihr immer noch!) und guckt euch die Symbole genau an.

Wenn du gerade keine Helferlein zur Hand hast, kannst du natürlich auch deine ZuhörerInnen auch um Ideen bitten. Frag sie einfach, wie die Geschichte heißen soll!

Vielleicht erzählen dir jetzt schon deine Kinder, was ihnen zu den verschiedenen Symbolen einfällt. Oder sie erzählen dir gleich, was sie damit schon einmal erlebt haben. Lass jede einzelne Zuhörerin erzählen, was er zu erzählen hat und höre einfach gut zu. Das Ziel eures Zusammenseins muss nicht unbedingt eine perfekt erzählte Geschichte von dir sein 😉 Es geht vielmehr um ein gegenseitiges Zuhören und aufmerksames Zusammensein. QualityTime für Jung und Alt.

2. Such dir eine Hauptfigur

Während vielleicht deine Kinder noch von ihren Erlebnissen erzählen, kannst du schon eine Hauptfigur wählen. Wer könnte Ähnliches erlebt haben, wie dieses Kind? Die Hauptfigur kann ein Tier sein – oder mehrere. Oder ein Onkel, ein Opa, eine Tante aus Amerika oder das Nachbarskind. Erfinde eine Figur, die in die Welt deines Kindes passt. Diese Hauptfigur benötigt einen Namen. Kinder lieben lustige Namen, lass deiner Kreativität einfach freien Lauf. Wenn dir keiner einfällt, frag einfach deine Zuhörerinnen. Am besten beginnst du deine Geschichte damit, deine Hauptfigur zu beschreiben. Haarfarbe, Alter, Hobbys, vielleicht, woher sie ihren Namen hat,…

Welche Eigenschaften hat deine Hauptfigur? Ist es vielleicht das Schwein Rosa, das eigentlich gelb ist? Oder die schusselige Tante Helga, die ständig etwas vergisst oder verkehrt herum macht?

Die Hauptfigur(en) in deiner Geschichte haben entweder ein Problem, das gelöst werden muss. Oder sie erleben etwas Unvorhergesehenes, Außergewöhnliches, das spezielle Handlungen nach sich zieht. Für Kinder unter drei Jahren braucht es weder ein Problem, noch ein spezielles Abenteuer. Für so junge Kinder reicht es aus, etwas nachzuerzählen, was sie vielleicht selbst in jüngster Zeit erlebt haben.

3. Beschreibe die Umgebung

Beschreibe nun, wo deine Hauptfigur lebt. Wie sieht es dort aus und wer lebt noch dort? Ist es kalt oder warm? Ist es eine Insel oder der Kühlschrank? Weißt du, es gibt sooo viele lustige Orte, wo man sein kann! Schau dir auch noch einmal die Symbole an: Könnte es sein, dass deine Hauptfigur(en) im Waschbecken wohnen? Oder in einem Baum? Im Sofa? Tja, glaub mir, das erhöht die Möglichkeiten, dass dir JETZT die beste Geschichte für deine Figur(en) in den Sinn kommt. Und wenn nicht? Dann frag wie immer deine Zuhörerinnen: „Was glaubt ihr, wie es sich in einem Sofa lebt?“

4. Beschreibe einen Prozess

Bleiben wir beim Sofa. Egal, wo du lebst, du musst etwas zu essen und zu trinken besorgen, du brauchst vielleicht Licht und außerdem auch mal frische Luft. Vielleicht bist du auch neugierig, was sich außerhalb deiner Polsterwelt befindet. Jetzt ist es einfach, den Prozess des Essenholens zu beschreiben, oder? Hast du als Hauptfigur ein menschliches Wesen gewählt, dann kannst du es zum Beispiel für das Leben im Sofa schrumpfen lassen. Ganz einfach. Oder – noch eine Idee: deine Hauptfigur fragt sich, warum sie im Sofa ständig Essensreste findet. Dann kannst du erzählen, wie das jeden Tag aufs Neue aussieht. Wie fühlt sich deine Hauptfigur und welche Lösung braucht es? Ich bin sicher, spätestens JETZT helfen dir deine Zuhörerinnen auf die Sprünge!

5. Lösungsfindung und Schluss

Du kannst ganz einfache Lösungen für das Geschichtenende finden. Ein Zauber wirkt übrigens immer. Im Falle unserer Sofageschichte gäbe es mehrere Ideen. Die Menschen könnten wieder größer werden oder die kleinen Wesen kennenlernen, die im Sofa wohnen. Und dann? Worauf einigen sie sich, wenn sie friedlich zusammenwohnen wollen?

Wenn du ältere Zuhörerinnen hast und merkst, dass sie noch mehr hören wollen, kannst du die erste Lösung als unbrauchbar definieren. Oder hat die vermeintliche Lösung etwa noch mehr angestellt und das Problem ist jetzt noch größer?

Wenn du das Gefühl hast, deine Zuhörerinnen werden ungeduldig, komme zu einem schnellen, simplen Schluss. Es ist wichtig, die Aufmerksamkeitsspanne deiner Kinder zu beachten und nicht überzustrapazieren. Wenn die Geschichte noch gar nicht fertig ist, du aber schon bemerkst, dass keiner mehr zuhört, kannst du die Geschichte beenden, indem du einen zweiten Teil zu einem ausgemachten Termin ankündigst.

Ciao, Bella! – Eine Geschichte für Kinder ab 3 Jahren

Ciao, Bella! – Eine Geschichte für Kinder ab 3 Jahren

„Und was machen wir jetzt mit all diesen Luftballons?“ fragt Mama.

„Wir lassen sie einfach hängen, bis allen die Luft ausgegangen ist.“ antwortet Papa.

„Nein, das mag ich nicht. Immerhin sind es meine Geburtstagsluftballons!“ Nico verschränkt trotzig seine Hände vor der Brust. Seit vier Tagen schon hängen sieben bunte Luftballons auf der Terrasse. Sein Onkel Christoph hat sie ihm zum Geburtstag geschenkt. Er hat auf jeden einzelnen eine Zahl geschrieben und für Nico am Terrassengeländer befestigt.

Der blaue mit der Nummer 4 schaut irgendwie schon schrumpelig aus. Der rote mit der Nummer 1 ist auch schon etwas kleiner als die anderen.

Onkel Christoph ist schon wieder abgereist. Er arbeitet weit weg. Nämlich in Saudi-Arabien. Kennst du das? Da muss man stundenlang mit dem Flugzeug hinfliegen. Aber jedes Jahr besucht Onkel Christoph Nico zum Geburtstag.

Nico mag seinen Onkel sehr. Wenn Christoph kommt, ist alles anders. Er kümmert sich ausschließlich um Nico. Der Onkel baut die besten Legohäuser, erzählt ihm Geschichten aus Saudi-Arabien und was Onkel Christoph am besten kann: er schwimmt mit Nico am Rücken durch den ganzen Stausee!

„Also, was möchtest du denn mit den Luftballons machen? Hast du eine Idee?“ fragt Mama nochmal.

Aber Nico hat leider keine Idee.

Nach dem Essen geht Nico zu seinem Opa. Das ist nicht weit, nur am anderen Ende vom Garten.

„Du, Opa, hast du eine Idee, was ich mit Onkel Christophs Luftballons machen könnte? Ich mag nicht, dass ihnen die Luft ausgeht. Am liebsten wäre mir, sie würden immer auf der Terrasse hängen bleiben, damit sie mich immer an Onkel Christoph erinnern.“

„Ja, das wäre schön. Ich kenne leider keine Luftballons, denen nicht irgendwann die Luft ausgeht.“ sagt Opa.

„Weißt du, was ich einmal gemacht habe, als ich noch ein Kind war?“ fragt Opa.

„Nein. Aber du erzählst es mir sicher gleich.“ antwortet Nico. Wenn Opa anfing, von seiner Kindheit zu erzählen, bekam Nico Gänsehaut. Denn er liebte diese Geschichten. Wild waren sie und aufregend. Manchmal wünschte er sich, Opas Bruder zu sein und mit ihm all die abenteuerlichen Dinge zu erleben, von denen Opa erzählte.

Opa wuchs auf einem Bauernhof in den Bergen auf. Einmal musste er im Sturm ein Lämmchen suchen, das verloren gegangen war. Nicos Lieblingsgeschichte aber war die, als Opa einen Schatz gefunden hat.

„Also“ beginnt Opa zu erzählen: „als ich klein war, bekam ich einmal einen Luftballon geschenkt, der mit Helium befüllt war. Ein Zirkus war im Dorf und jemand von den Zirkusleuten drückte mir Bella einfach in die Hand. Lass mich nachdenken, wer das war…“

„Bella?“ fragt Nico erstaunt

„Ja, Bella, so nannte ich meinen Luftballon. Sie hatte große rote Lippen und riesige Augen mit Wimpern dran. Ihre Wangen waren rot und ihr Gesicht vornehm weiß. Sie war eine Schönheit, deshalb hieß sie Bella. Ich war so stolz auf sie. Niemand hatte so einen wunderschönen Luftballon im Ort. Ich band sie ganz fest am Lattenzaun fest. Dort tanzte sie im Wind und ich konnte ihr dabei von meiner Stube aus durchs Fenster zusehen.“ Opas Augen sahen in die Ferne. Er seufzte einmal tief, sah dann Nico an und lächelte.

„Und was ist mit Bella passiert?“ fragt Nico nach.

Opa seufzte noch einmal tief, überlegte kurz und sagte dann: „Ich hab´ sie auf Reisen geschickt. Irgendwann hat sie mir leidgetan. Tagein tagaus flatterte sie da im Wind, immer an der gleichen Stelle. Ich glaube nicht, dass sie das glücklich machte. Also hab´ ich eines Tages meinen Namen und meine Adresse auf einen Zettel geschrieben. Den habe ich dann an ihre Schnur geknotet und ihr gesagt, sie solle einen schönen Gefährten finden, mit dem sie gemeinsam im Wind tanzen könnte.“

Jetzt lachte er und sah Nico direkt in die Augen. „Ich hab´ sie losgebunden, bin ein Stück mit ihr gelaufen und dann hab ich sie einfach losgelassen.“ Opa zeigt mit der Hand zum Himmel: „Sie flog hoch, so hoch, dass ich sie bald nicht mehr sehen konnte. Zum Abschied rief ich laut: ,Ciao, Bella!`“

Das gefällt Nico. Gemeinsam rufen sie in den Himmel: „Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella…!“

Dabei breitet Opa seine Hände weit aus, immer lauter ruft er, bis er schließlich anfängt, zu lachen. Er lacht und lacht, dass er sich den Bauch halten muss. Und Nico lacht mit.

„Du, Opa“ fragt Nico, als sich beide ein wenig beruhigt haben. „Warum hast du deinen Namen und deine Adresse auf den Zettel geschrieben?“

„Na, damit mir derjenige, der Bella findet, eine Nachricht hinterlassen kann. Eine Nachricht, wo er sie gefunden hat.“

„Und?“ fragt Nico. Gespannt wartet er auf Opas Antwort. Hat er denn eine Nachricht erhalten?

„Nein. Leider habe ich nie eine Nachricht erhalten. Wahrscheinlich hat sich jemand in Bella verliebt und hatte Angst, ich würde sie zurückhaben wollen.“ Er zwinkerte mit einem Auge Nico zu und grinste schelmisch.

Wieder zu Hause geht Nico sofort auf die Terrasse und schaut sich seine Luftballons an. Sieben Stück. Nico begutachtet seine Ballons sehr genau. Mit der Hand überprüft er ihre Festigkeit. Er stellt sich jeden Ballon mit Bellas Gesicht vor.

Nummer zwei: gelb und riesig – nein, gelb auf gar keinen Fall

Nummer drei: weiß, noch fest – könnte gehen

Nummer vier: blau, verschrumpelt – unbrauchbar

Nummer fünf: grün, mittelfest – grüne bella?

Nummer sechs: rosa, groß und fest – auch gut

Nummer sieben: lila, eher klein und weich – nein

Nico entscheidet sich für den weißen Ballon. „Ihre Haut war vornehm weiß“, hat Opa gesagt.

Er holt die wasserfesten Stifte aus Papas Schreibtisch, ein Stück Briefpapier und einen Kugelschreiber.

Mit den wasserfesten Stiften malt Nico dem weißen Ballon riesige Augen mit dichten Wimpern auf, Augenbrauen und eine kleine Nase. Er malt einen vollen rosaroten Mund und rosa Wangen. Auf ihren Hinterkopf schreibt er ihren Namen.

Seine Bella ist wunderschön geworden!

Auf das Briefpapier schreibt er seinen Namen, seinen Nachnamen und seine Adresse. Er faltet das Papier ganz klein, bindet Bellas Schnur drumherum und verknotet sie fest. Damit er eine Nachricht bekommt, wenn jemand Bella gefunden hat.

Dann geht er mit seiner Bella in der Hand zu Opa. Der staunt nicht schlecht, als er Bella sieht. Er schlägt sie Hände zusammen, klatscht laut und lacht dabei. „Ja Grundgütiger, sag mir ja nicht, dass du meine Bella gefunden hast!“

„Nein, Opa, das ist meine Bella!“

„Ohja, und sie ist genauso schön, wie meine Bella damals!“

„Wollen wir sie gemeinsam fliegen lassen?“ fragt Nico.

Opa nickt. Nico hält Bella hoch in die Luft und ruft:

„Ciao Bella!“

Opa stimmt mit ein. Und während Bella immer höher und höher in den Himmel steigt, rufen die beiden siebzehn Mal hintereinander: „Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella, Ciao Bella!“ So lange, bis ihnen die Luft ausgeht und sie sich vor lauter Lachen die Bäuche halten.

Vier Wochen später ruft Mama Nico aus seinem Zimmer. „Du hast Post bekommen!“

„Post? Ich? Ich bekomme nie Post!“ antwortet Nico erstaunt.

Mama reicht ihm einen weißen Briefumschlag mit rotem und blauem Rand. Auf dem Umschlag ist eine grüne Briefmarke. Auf dem Poststempel stehen Buchstaben, die er nicht lesen kann.

Langsam öffnet er den Briefumschlag und faltet den Brief auseinander. Die Schrift ist sehr schwierig zu lesen…

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