Daniela Scheurer

gemeinsam.spielend.wachsen.

Der böse Hirsch und das Monster

Hirsch und Wildschweine im Wald

Autor: Markus Iby

Markus ist Lernbegleiter in der Storchennestschule 

Die Geschichte, die ich heute erzähle, spielt in einem Wald. Einem riesengroßen Wald, wo sehr selten Menschen hinkommen. In diesem Wald gibt es einen besonders schönen Platz. Eine Lichtung, wo den ganzen Tag die Sonne hin scheinen kann. Das ist wirklich eine Seltenheit in dem großen Wald. Er ist nämlich so dicht, dass fast überall Schatten ist. Darum ist die Lichtung bei allen Tieren des Waldes sehr beliebt. Oft liegen sie dort in der Sonne und erzählen sich Neuigkeiten.

Der Hase erzählt heute von einem Monster, das angeblich im Wald gesehen worden ist. „Es ist riesengroß, braun und grün und lebt im Wasser. Manchmal kommt es raus und ist dann fürchterlich!“

Die Eule lacht und sagt: „So ein Blödsinn, Monster gibt’s nicht.“ Die anderen Tiere glauben dem Hasen zwar auch nicht, weil er schon oft irgendeinen Blödsinn erzählt hat. Sie fürchten sich aber doch ein bisschen und fragen nach, wo denn das Monster wohnt.

„In einem Teich im Dunkeldicht!“, behauptet der Hase. Das ist der Teil des Waldes, in den die Tiere gar nicht gerne gehen, weil er so dicht und dunkel ist. Man kommt dort nicht leicht durch das Dickicht und es wächst dort auch nicht wirklich etwas, das schmeckt.  Und weil die Tiere so selten hingehen gibt es auch keine Pfade, wie es sie sonst überall in den Wäldern gibt. Im Dunkeldicht ist alles verwachsen mit Dornen und Flechten und Ranken.

Neben der Lichtung, auf der die Tiere liegen, fließt der kleine Waldbach vorbei. Das ist sehr praktisch und schön. Dieser Bach rinnt die meiste Zeit in einer engen Schlucht, in die man nur sehr mühsam runtersteigen kann. Bei der Lichtung aber, da kann man sich ganz bequem hinstellen und das gute Bachwasser trinken. Darum ist das dort auch die Lieblingstrinkstelle von allen Waldtieren.

Und gerade, als die Rehe sich dort versammeln, um zu trinken, hört man es im Wald knacken. Aus dem Wald kommt der große Hirsch! Wild schaut er aus und unheimlich.  Er ist selten bei der Lichtung, weil er lieber irgendwo allein unterwegs ist.

Er geht zur Wasserstelle und herrscht Rehe an: „Weg da, ich habe Durst!“ Die   Rehe antworten: „Hallo Hirsch, du kannst natürlich trinken vom Bach. Wir trinken fertig, dann bist du dran.“ Aber den Hirsch interessiert das nicht. „Ich habe aber jetzt Durst.“ schreit er und schiebt die Rehe einfach weg.

Die Rehe protestieren, aber der Hirsch ist stärker. Nachdem er getrunken hat, geht er wieder weg.

So was macht der Hirsch öfter. Einmal, da war Frühling, da haben die Hasen den ersten frische Klee gefunden. Das ist für die Hasen immer etwas ganz Besonderes: der erste Klee nach dem langen Winter, in dem es keinen Klee gibt. Also versammelten sich alle Hasen zum gemeinsamen Kleeessen. Plötzlich kam der Hirsch daher und stieg mit seinen langen Beinen einfach über die Hasen drüber, ging zum Klee und fraß ihn auf. Ratzeputz und ratzekahl. Bis zum letzten Kleeblatt. Die Hasen schimpften mit ihm, aber er ging einfach wieder weg und scherte sich nicht weiter.

Ein anderes Mal, im Winter, als die Wildschweine gerade ihre letzten Eicheln       fressen wollten, kam der Hirsch dazu und fragte: „He, ihr habt noch Eicheln?“ „Ja“, antworteten die Wildschweine. „Wenn du willst, schenken wir dir ein paar.“

Der Hirsch reagierte auf seine gewohnt unfreundliche Art: „Das ist nett von euch, aber ich mag keine Netten. Ich mag die Eicheln. Und zwar alle.“ Und dann vertrieb er die Wildschweine mit seinem Geweih und fraß alle Eicheln auf. Ratzeputz und ratzekahl.

Der große Hirsch ist fast immer grantig. Die anderen Tiere gehen ihm so gut es geht aus dem Weg. Auch der Hirsch geht ihnen aus dem Weg. Er ist meistens im Dunkeldicht, damit er niemanden von den anderen Tieren trifft. Dort ist es zwar mühsam durchzukommen, in dem Dickicht aus Dornen und Flechten und Ranken, aber Hauptsache er trifft die anderen Tiere nicht.  Und der Hirsch ist ja stark und kämpft gerne und so kämpft er sich auch durch das Dickicht.

Und so kam es, dass im Lauf der Zeit alles Mögliche an seinem Geweih und in seinem Gesicht und an seinem Fell hängen blieb: Kletten, Flechten, Blätter, Zweige und faulige Äpfel. Pilze wachsen auf ihm, sein Fell ist gatschig vom Schlafen im Matsch und außerdem schimmelt es. Er sieht aus wie ein Komposthafen. Riechen tut er auch so. Ehrenwort!

Um den anderen Tieren aus dem Weg zu gehen, beschließt der Hirsch, auch nicht mehr zum Bach trinken zu gehen. Wirklich, er wollte einfach niemanden mehr sehen müssen. Nur manchmal in der Nacht geht er hin, aber sogar dann trifft er andere Tiere dort. Daraufhin beschließt er, nie wieder zu kommen und lieber eine Wasserstelle ganz für sich alleine zu suchen.

Tief drinnen im Dunkeldicht findet er einen kleinen Teich, der ganz ruhig ist, ohne Wellen. Die Oberfläche ist spiegelglatt. Er nähert sich dem Wasser und beugt sich zum Trinken hinunter. Und weil der Mond so hell scheint, sieht er sich selbst im Wasser.

Als er sein Spiegelbild sieht, erschrickt der große Hirsch und schreit: „Waaaahhhhhhhhh!  Das Monster!!“. So schnell er kann, rennt er weg. Durch das Dickicht rennt er, durch all die Ranken und Flechten und Dornen, hin zu der Lichtung, wo die anderen Tiere wohnen.

„Hilfe, Hilfe, das Monster, ich habe es gesehen!“ schreit der große Hirsch. Ganz außer Atem ist er.

Aufgeregt versammeln sich alle Tiere. Die Eule fragt den Hirsch, wie es ausgesehen hat, das Monster. „Ffffürchterlich!!“ antwortet der Hirsch.

 „Zeig es uns!“ fordert die Eule, aber der Hirsch antwortet: „Da geh ich sicher nicht mehr hin. Ich fürchte mich. Nie wieder geh ich dort hin!“

„Also gut. Und wenn wir alle mitgehen?“ fragt die Eule.

„Na gut, dann trau ich mich.“ antwortet der Hirsch.  

Und so gehen die Eule und der Hirsch, die Rehe, die Hasen und die Wildschweine alle hintereinander in das Dunkeldicht und der Hirsch führt sie zum Teich.

Als sie da sind, bleibt der Hirsch in einiger Entfernung stehen. „Dddort drinnen, in dddem Teich, dddort ist es“, sagt er mit zittriger Stimme. 

Die Eule, die ja immer schon gesagt hat, dass es keine Monster gibt, traut sich als erstes zum Teich. Sie fliegt hin und schaut rein. „Ich sehe kein Monster. Ich sehe nur mein Spiegelbild.“

Da trauen sich die Rehe auch und nähern sich dem Wasser: „Wir sehen auch keins.“ Die Wildschweine und die Hasen finden auch kein Monster.

Die Tiere schauen den Hirsch an. Jetzt traut er sich auch wieder zum Wasser und schaut rein.

„Waaaahhhhhhhhh! Da ist es wieder!!! Gleich kommt‘s raus!“ schreit er und will wieder davonrennen. Aber als er merkt, dass die anderen Tiere ruhig stehen bleiben, kommt er wieder zurück.

Die Eule sagt: „Schau noch mal rein, aber schau ein bisschen genauer.“ Der Hirsch pirscht sich langsam an den Teich heran und schaut rein und schaut sich selber in die Augen. „Ddden kenn ich doch!“

Und dann muss er lachen. Das hat er schon sehr lange nicht gemacht. Er lacht und lacht und alle Tiere lachen mit.

23 Jul, 2021

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